Experten schlagen Alarm. Gefährliche Bakterien, welche gegen die meisten Antibiotika resistent (unempfindlich) und daher nur schwer zu bekämpfen sind, breiten sich immer mehr aus.

Als Ursachen hat man den unsachgemäßen Umgang mit den Bakterien- killern durch die Patienten, aber auch die sorglose Verschreibungs- praxis der Ärzte ausgemacht. Denn je mehr Antibiotika eingesetzt oder unterdosiert eingenommen werden, umso häufiger bilden sich resistente Bakterien. Die Notwendigkeit, auf diesem Feld tätig zu werden, hat auch das Europäische Parlament erkannt und 2008 den Europäischen Antibiotikatag ins Leben gerufen.
Wenn gehustet und geniest wird und der Infekt nach mehreren Tagen nicht verschwindet, erhalten Patienten häufig von ihrem Arzt ein Antibiotikum verschrieben. Allein 75 Prozent der Verordnungen entfallen auf Infektionen der oberen Atemwege, Mittelohrentzündungen bei Kindern werden zu 80 Prozent mit Penizillin etc. behandelt. Doch diese Erkrankungen werden zumeist durch Viren ausgelöst, gegen die ein Antibiotikum unwirksam ist.
Die Folgen: keine Wirkung gegen die Beschwerden, dafür unter Umständen Durchfall, Pilzinfektionen und langfristig immer mehr Bakterienstämme, die nicht mehr durch Antibiotika vernichtet werden können. Kommt es dann tatsächlich zu einer gefährlichen bakteriellen Infektion, besteht die Gefahr, dass kein Medikament gegen die Erkrankung wirkt. Ein sorgfältigerer Umgang mit den lebenswichtigen Antibiotika kann das Risiko mindern, dass sie nicht mehr wirken.
Am 18. November 2009 fand zum zweiten Mal der Europäische Antibiotikatag statt, mit dem auf die Problematik der zunehmenden Resistenzen hingewiesen werden soll. Auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ist in diesem Jahr auf einem Workshop am Robert-Koch-Institut mit Experten über die Verbesserung der Aus- und Fortbildung diskutiert und nach Wegen gesucht worden, den Stellenwert der Resistenz-Problematik in den Lehrplänen zu stärken. Um das Wissen in die-sem Bereich zu verbessern, haben die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie und die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie ein Fortbildungsprogramm für medizinisches Fachpersonal entwickelt, welches durch das BMG gefördert wird.
Das Programm, welches auf dem Workshop vorgestellt wurde, ist eine wichtige Maßnahme zur Umsetzung der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART). Diese ist vor einem Jahr von der Bundesregierung der Öffentlichkeit vorgestellt worden und formuliert für den Gesundheitssektor zehn Ziele mit vielfältig ineinandergreifenden Maßnahmen, die in den Jahren 2008 bis 2013 umgesetzt werden sollen. Weitere Informationen dazu unter: www.bmg.bund.de
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