Geringfügig Beschäftigte

Geringfügig Beschäftigte sind in der Sozialversicherung grundsätzlich versicherungsfrei. Die Geringfügigkeitsgrenze beträgt 450 EUR. Bis zu 450 EUR kann der Arbeitnehmer also regelmäßig im Monat verdienen, ohne dass er aus dem Entgelt Sozialversicherungsbeiträge und Steuern zahlen muss. Ausschließlich die Höhe des Arbeitsentgelts entscheidet darüber, ob eine Beschäftigung geringfügig entlohnt ist oder nicht.

Ausgenommen von der Versicherungsfreiheit wegen Geringfügigkeit sind:

  • Auszubildende und Praktikanten,
  • Teilnehmer an einem freiwilligen sozialen oder freiwilligen ökologischen Jahr sowie
  • Personen, die nach einer längeren Krankheit wieder in das Erwerbsleben stufenweise eingegliedert werden sollen.

Arbeitnehmerfragebogen bei Minijobbern

Mit dem "Dritten Gesetz zur Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze" nimmt der Gesetzgeber u.a. eine Ausweitung der Dokumentationspflichten für den Personenkreis der geringfügig Beschäftigten vor. Die Arbeitgeber der so genannten Minijobber müssen zusätzliche Angaben in den Entgeltunterlagen vorhalten. Darüber hinaus haben sich alle geringfügig Beschäftigten zu verpflichten, die Aufnahme weiterer Beschäftigungen gegenüber ihrem Arbeitgeber anzuzeigen.

Die Arbeitgeber haben nach der Beitragsverfahrensverordnung (BVV) "die Erklärung des kurzfristig geringfügig Beschäftigten über weitere kurzfristige Beschäftigungen im Kalenderjahr" zu den Entgeltunterlagen zu nehmen (vgl. § 8 Abs. 2 Nr. 7 BVV). Zudem wird auch "die Erklärung des geringfügig entlohnten Beschäftigten über weitere Beschäftigungen sowie in beiden Fällen die Bestätigung, dass die Aufnahme weiterer Beschäftigungen dem Arbeitgeber anzuzeigen sind" verlangt. Die Betriebsprüfer der Deutschen Rentenversicherung müssen also in den Entgeltunterlagen auch bei geringfügig entlohnten Beschäftigten einen Arbeitnehmerfragebogen vorfinden.

Tipp: Beim Personenkreis der geringfügig Beschäftigten sollte besonderes Augenmerk auf eine rechtssichere Dokumentation in den Entgeltunterlagen gelegt werden. Greifen Sie dazu doch einfach auf eine von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) entwickelte und kostenfrei im Internet bereitgestellte "Checkliste für geringfügig entlohnt oder kurzfristig Beschäftigte" zurück: www.bda-online.de.

Arbeitgeber entrichtet Pauschalabgaben

Der Arbeitgeber zahlt für den geringfügig entlohnten Beschäftigten Pauschalabgaben zur Sozialversicherung. Es sind 15 Prozent des Arbeitsentgelts für die Rentenversicherung und 13 Prozent für die Krankenversicherung. Ausnahme: Für in Privathaushalten geringfügig entlohnte Beschäftigte zahlt der Arbeitgeber, d.h. der Privathaushalt, geringere Beiträge zur Sozialversicherung: Je 5 Prozent des Arbeitsentgelts für die Kranken- und für die Rentenversicherung. Der Arbeitnehmer kann den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung aufstocken, um den vollen Leistungsanspruch in der Rentenversicherung zu erwerben. Verzichtet der Arbeitgeber auf die Vorlage der Lohnsteuerkarte zur individuellen Steuerberechnung, zahlt er außerdem zwei Prozent Pauschalsteuer (einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer). Die pauschalierte Steuerabgabe in Höhe von 2 Prozent ist allerdings nicht möglich, falls ein Arbeitgeber zwar auf die Vorlage der Lohnsteuerkarte verzichtet, aber nicht den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung entrichtet (etwa weil wegen mehrerer 450-EUR-Jobs die Geringfügigkeitsgrenze überschritten ist und Sozialversicherungspflicht eintritt). Stattdessen fällt in diesem Fall eine pauschale Lohnsteuer in Höhe von zwanzig Prozent an.

Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung aufstocken
Der Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, den Pauschalbetrag des Arbeitgebers aufzustocken. Dadurch erwirbt der Arbeitnehmer volle Rentenansprüche sowie den Anspruch auf Leistungen zur Rehabilitation durch die Rentenversicherung. In diesem Fall zahlt der Arbeitnehmer zusätzlich zu dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers während des laufenden Kalenderjahres einen Anteil von 4,9 Prozent (= Differenz bis zum während des laufenden Kalenderjahres gültigen Beitragssatz in der Rentenversicherung von 19,9 Prozent). Auch dieser zusätzliche Aufstockungsbeitrag des Mitarbeiters muss vom Arbeitgeber berechnet, im Beitragsnachweis vermerkt und abgeführt werden. Um hierbei Minimalbeiträge zu vermeiden, hat der Gesetzgeber eine Mindestbeitragsbemessungsgrundlage von 175 EUR vorgesehen. Beiträge sind also mindestens von diesem Betrag zu berechnen, so dass sich ein Mindestbeitrag von derzeit 34,83 EUR (175 EUR x 19,9 Prozent) ergibt. Ist das Arbeitsentgelt niedriger als die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage, trägt der Arbeitnehmer die Beiträge aus diesem Differenzbetrag allein; der Arbeitgeber zahlt also in jedem Fall nur den Anteil in Höhe von 15 Prozent aus dem tatsächlich gezahlten Arbeitsentgelt.

Wichtig: Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, Ihre Mitarbeiter auf die Möglichkeit einer Aufstockung des Rentenbeitrags hinzuweisen. Die Erklärung des Arbeitnehmers zum Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit, wie dieser Vorgang formal genannt wird, bewahren Sie gemeinsam mit den Lohnunterlagen auf. 

Weniger Gebühren

Erteilen Sie uns eine Einzugsermächtigung, sparen Sie sich die bei einer versehentlich zu späten oder gar nicht geleisteten Zahlung zusätzlich anfallenden Kosten oder Gebühren. Übersehen Sie z.B. die Frist zur Überweisung des Beitrags und die Zahlung geht erst nach Fälligkeit bei uns ein, sind wir vom Gesetzgeber dazu verpflichtet, Säumniszuschläge in Höhe von 1 v.H. des rückständigen Beitrags zu erheben. Um solche Kosten und Gebühren bräuchten Sie sich zukünftig keine Gedanken mehr zu machen. Widerspruch möglich! Sie können den verschiedenen Abbuchungsbeträgen innerhalb von sechs Wochen bei Ihrem Kreditinstitut widersprechen. Bitte beachten Sie aber, dass wir Ihnen bei einem ungerechtfertigten Widerspruch die Rückbuchungskosten in Rechnung stellen müssen. Daher empfehlen wir Ihnen bei einer unklaren Abbuchung, sich zuerst mit uns in Verbindung zu setzen. Zusammen werden wir das Problem klären und eine Lösung finden.

Meldungen und Beiträge an zentrale Einzugsstelle

Der Arbeitgeber zahlt die Sozialversicherungsabgaben für den geringfügig entlohnten Job an die Knappschaft als Träger der gesetzlichen Rentenversicherung – unabhängig davon, bei welcher Krankenkasse der Arbeitnehmer versichert ist. Fällt für den 450-EUR-Job die Pauschalsteuer in Höhe von zwei Prozent an, muss auch sie an die Knappschaft entrichtet werden. In diesem Fall gibt der Firmenchef künftig auf dem Beitragsnachweis auch seine Steuernummer an.

Beurteilung von Haupt- und Nebenjob

Übt ein Mitarbeiter mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen aus, rechnet der Arbeitgeber die verschiedenen Jobs zusammen. Bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze tritt in allen 450-EUR-Jobs Sozialversicherungspflicht ein. Übt der Arbeitnehmer jedoch gleichzeitig Haupt- und Nebenbeschäftigung aus, gilt es zu unterscheiden:

  • Geht ein Mitarbeiter neben der Hauptbeschäftigung nur einem 450-EUR-Job nach, ist die Nebenbeschäftigung sozialversicherungsfrei.
  • Übt ein Arbeitnehmer neben der versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung mehrere 450-EUR-Jobs aus, bleibt ein 450-EUR-Job sozialversicherungsfrei. Alle weiteren Nebenjobs werden mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet, so dass für sie Sozialversicherungspflicht eintritt.

Ausnahme: In der Arbeitslosenversicherung bleiben alle neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ausgeübten Nebenjobs versicherungsfrei.

Nachträgliche Beitragszahlung ausgeschlossen

Die Versicherungspflicht tritt erst mit dem Tag der Mitteilung, dass die Voraussetzungen für die Geringfügigkeit der Beschäftigung nicht mehr vorliegen, ein. Der genaue Beginn der Versicherungspflicht steht in der Mitteilung. Die nachträgliche Berechnung und Einforderung von Beiträgen zur Sozialversicherung ist somit ausgeschlossen.