Entschleunigung – Mehr als nur Zeit lassen

Höher, schneller, weiter – so ist der Geist unserer heutigen Zeit. Ständige Erreichbarkeit, endlose To-do-Listen und die ewige Herausforderung, Familie, Beruf und Freizeit zu vereinen, verlangen uns tägliche Anstrengungen ab. Fragen Sie sich am Ende des Tages auch oft: Was habe ich heute eigentlich geschafft und wo ist die Zeit geblieben? Dann sollten Sie einen Moment innehalten und versuchen, Ihr Leben zu entschleunigen. Unsere Tipps können Ihnen auf dem Weg zu einem bewussteren Lebensstil behilflich sein.

Leiden Sie unter Stress? Mit großer Wahrscheinlichkeit können Sie diese Frage mit ja oder zumindest mit hin und wieder beantworten. Stress ist ein Phänomen der Neuzeit. Wir können heute zahlreiche Dinge gleichzeitig tun: Telefonieren, während wir Auto fahren. E-Mails beantworten, während wir in einem Meeting sitzen. Verabredungen treffen, während wir mit der Familie einen Film sehen.
So praktisch diese Entwicklung ist, können genau diese Möglichkeiten auf Dauer krank machen. Wer immer nur unter Strom steht und nie abschaltet, gerät unter Dauerstress. Die Folge sind Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen sowie psychische Erkrankungen bis hin zur Depression oder Burn-out.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie unter ständiger Anspannung stehen oder sich von den zahlreichen Reizen bereits erschöpft und ausgelaugt fühlen, ziehen Sie jetzt die Reißleine! Schon kleine Veränderungen können dabei viel bewirken.

Was ist Ihnen wirklich wichtig – und was tun Sie eigentlich nur aus Gewohnheit oder falschem Pflichtgefühl? Wenn Sie jede Baustelle als Ihre ansehen, bleiben Sie am Ende auf der Strecke – und so manches, mit dem Sie sich am Tag herumschlagen, könnte ruhigen Gewissens verschoben oder sogar komplett als unwichtig abgelegt werden.
Doch Prioritäten zu setzen, will gelernt sein. Machen Sie sich zu Beginn eine Liste, auf der Sie notieren, was für Sie im Leben an oberster Stelle steht bzw. ohne welche Bereiche es wirklich nicht geht. Dinge, die zweitrangig sind, können dann vielleicht schon "abgespeckt werden": Statt die Fenster alle zwei Wochen zu putzen, reicht dies auch einmal im Monat. Und besser, als drei Sportgruppen unregelmäßig zu besuchen, ist es, einen Kurstermin regelmäßig wahrzunehmen.
Dies lässt sich auch auf Ihren Tagesablauf übertragen. Was Sie unbedingt schaffen wollen, kommt an die erste Stelle, was gleich noch erledigt werden kann, auf Platz zwei und so weiter. Neben den wichtigen Dingen gibt es aber sicher noch Unwichtiges, das einfach „hinten runterfallen“ kann. Von Zeitfressern, die Ihnen weder Freude bereiten, noch unumgänglich sind, sollten Sie sich in Zukunft verabschieden. Weniger Stress und mehr Zeit sichern Sie sich auch, indem Sie in Zukunft genau selektieren, welche Aufgaben und Verpflichtungen Sie einhalten können oder möchten. Trauen Sie sich bei anderen Dingen öfter nein zu sagen. Sie werden überrascht feststellen: Die Welt dreht sich trotzdem weiter!

Schnell eine eMail beantworten, dann einen Anruf tätigen und schließlich verschiedene Projekte im Wechsel voranbringen: Zwischen einzelnen Aufgaben hin- und herzuspringen, kostet unnötig Zeit, denn Sie müssen stets aufs Neue umdenken. Verbinden Sie manches und erledigen Sie es in einem Zug.
Dies lässt sich im Arbeitsalltag wie auch im Privaten anwenden: Statt drei Mal die Woche kleine Einkäufe zu erledigen, fassen Sie mehrere Wege zu einem Großeinkauf zusammen und besorgen Sie zum Beispiel Lebensmittel, Getränke und Drogerieartikel an einem Nachmittag. Wenn Sie vorausschauend planen, können Sie auch jährliche Vorsorgetermine zusammenlegen. Oder Sie überlegen sich zu Beginn eines Quartals, wer in den nächsten Monaten Geburtstag hat und besorgen alle Geschenke im Voraus. Mit diesem Trick schaffen Sie es, eine Vielzahl von Aufgaben schnell abzuarbeiten – und haben neben einem freien Kopf mehr Zeit für sich!

Während Sie eine Sache tun, sind Sie in Gedanken schon ganz woanders. Dadurch leidet nicht nur Ihre Konzentration, Sie verpassen auch zahlreiche schöne Momente! Durch Multitasking und Dauerbeschallung haben wir ganz vergessen, im Hier und Jetzt zu leben. Kleine Übungen zur Achtsamkeit können helfen, dies wieder zu erlernen. Dabei sind diese leicht in Ihren Alltag integrierbar.
Versuchen Sie einmal, fünf Minuten lang alles ganz bewusst zu machen. Ihren Tee bewusst zu trinken, sich die Zähne zu putzen oder andere alltägliche Dinge. Versuchen Sie, Ihre Eindrücke dabei mit allen Sinnen wahrzunehmen, ohne diese zu bewerten. Stoppen Sie alle Gedanken und versuchen Sie, Ihren Kopf zu leeren, um sich nur im Jetzt wiederzufinden. Was zunächst leicht klingt, benötigt vielleicht etwas Übung, bis es Ihnen wirklich gelingt. Merken Sie, wie langsam die Zeit vergehen kann, wenn Sie sich auf eine Tätigkeit konzentrieren?

Auch "Digital Detox", das bewusste Offline-Gehen, kann die Achtsamkeit unterstützen. Ohne Smartphone, Tablet und Social Media werden wir weniger von unserer jeweiligen Handlung abgelenkt. Statt Chats stehen nun Gespräche, statt Videos und retuschierten Bildern die Realität in all ihren Facetten im Mittelpunkt. Wer nicht tageweise auf die elektronischen Begleiter verzichten kann oder will, der beginnt vielleicht mit einer festen Zeit, zu der alle Geräte für eine Stunde ausbleiben und kein Account gecheckt wird. Ein kleiner Tipp: Draußen in der Natur können Sie diese Auszeit von der digitalen Welt besonders genießen.

Im stressigen Alltag ärgern wir uns oft über Wartezeiten, die unseren Zeitplan noch mehr durcheinanderbringen. Dabei sollten wir uns über diese kleinen Pausen freuen und sie für eine gedankliche Auszeit nutzen: Sei es an der Supermarktkasse oder der Bushaltestelle. Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen und versuchen Sie, bewusst zu atmen. Längere Leerzeiten, zum Beispiel im Wartezimmer, können Sie mit etwas Übung sogar für kleine Meditationen, autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation nutzen. Diese Entspannungstechniken helfen Ihnen auch in besonders fordernden oder akuten Stresssituationen.