Handarbeit – Nichts für die Mottenkiste

Zwei links, zwei rechts, eine fallen lassen – lange Zeit galt Handarbeit als Beschäftigung der älteren Generation. In den letzten Jahren entdecken aber auch immer mehr junge Menschen ihre Begeisterung fürs Nähen, Sticken und Stricken. Das wiederrum belebt den neu aufgelegten Trend: Durch detaillierte Anleitungen und Lernvideos im Internet ist es nun fast jedem möglich, die kreative Arbeit schnell und selbstständig zu lernen. Auf Social-Media-Plattformen tauschen sich viele Begeisterte aus und zeigen stolz ihre angefertigten Werke – manche haben ihr Hobby sogar schon zum (Neben-)beruf gemacht und verkaufen ihre Arbeit auf der eigenen Webseite oder in Kreativshops. Dahinter steckt oftmals der Wunsch, in einer Zeit, in der man alles kaufen kann, ganz individuelle Stücke zu erschaffen und sich aus der Masse abzuheben.
Doch Handarbeit ist mehr als nur ein angenehmer Zeitvertreib mit einem hübschen Ergebnis: Die ruhige Tätigkeit ist ein gelungener Ausgleich für Körper und Seele.

Während Sie bei der Arbeit mit Nadel, Faden und Wolle Ihre eigenen Textilkreationen herstellen, können Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Farben, Muster oder der Einsatz verschiedener Materialien fordern die Sinne und schulen Ihre Vorstellungskraft.
Anfänger können sich an vorgefertigten Anleitungen orientieren und mit kleinen Variationen ihre eigene Note einbringen, während sich Fortgeschrittene vielleicht lieber ihr eigenes Schnitt- oder Maschenmuster überlegen. Neben dem Stolz, den Sie nach dem gelungenen Abschluss Ihres handgefertigten Projektes empfinden, vertiefen Sie sich währenddessen komplett in Ihre Arbeit. Das bringt Ablenkung vom Alltag: Sie fühlen sich erfrischt und bereit für die Aufgaben, die Arbeits- und Privatleben von Ihnen fordern.

Doch die geistige Erholung ist nicht der einzige positive Effekt der Handarbeit. Indem Sie sich vollkommen in Ihre Tätigkeit vertiefen, blenden Sie negative Emotionen aus. Sorgen und Probleme treten in den Hintergrund, während sich Anspannung löst. Stress wird so abgebaut und der Blutdruck gesenkt. Auch bei chronischen Schmerzen, Depressionen oder anderen Erkrankungen kann das kreative Hobby Unterstützung bieten. Es lenkt die Patienten von ihren Beschwerden ab und entspannt.
Das gute Gefühl, eine angefangene Sache beendet zu haben, sowie das Lob anderer für Ihre Arbeit, stärken Ihr Selbstvertrauen und sorgen für Glücksgefühle. Die begeisterten Anhänger dieses Hobbys haben also Recht: Handarbeit macht tatsächlich glücklich!

Die filigrane Tätigkeit beschäftigt nicht nur die Finger, sondern sorgt auch für geistige Fitness. Maschen zählen, Schnittmuster umrechnen und Anleitungen befolgen: Köpfchen ist bei diesem Hobby genauso gefragt, wie Geschick. Dies stärkt die kognitiven Fähigkeiten und wirkt wie Jogging für das Gehirn. Die Arbeit benötigt zum Teil echtes Fingerspitzengefühl, was die Feinmotorik verbessert.
Bei der Handarbeit sind in der Regel beide Gehirnhälften aktiv. Dies kann sogar das Risiko, an Demenz zu erkranken, reduzieren.

Wenn im Herbst die Abende länger werden und Sie sich wieder in Ihre heimeligen vier Wände zurückziehen, ist die ideale Zeit, um Handarbeit als Hobby zu entdecken oder Ihr neuestes Projekt zu starten. Dabei bringt nicht nur die Tätigkeit als solche Freude, sondern auch die schönen Dinge, die Sie letztendlich zaubern. Ein gehäkeltes Mützchen für die kleine Nichte, eine selbstgenähte Tasche für die beste Freundin oder eine neue Deko-Idee, um Ihr Zuhause noch schöner zu machen – jedes dieser Einzelstücke wird für Sie und auch für die Beschenkten einen ganz besonderen Wert haben.