Diabetes Typ II

Bei dieser Form des Diabetes mellitus wird das Insulin oft über Jahre hinweg noch in ausreichender Menge produziert. Zu den Mahlzeiten wird jedoch nicht genug Insulin freigesetzt und es kann häufig nicht richtig verwertet werden, weil die Körperzellen darauf nicht ansprechen. Kommen falsche Ernährung und Übergewicht zu der Veranlagung hinzu, arbeitet die Bauchspeicheldrüse jahrelang auf Hochtouren. Bis sie schließlich "erschöpft" ist und immer weniger Insulin produziert. Zu den Risikofaktoren zählt außerdem Bluthochdruck. Die weit überwiegende Anzahl der Diabetiker (ca. 95 Prozent) leidet unter dem Typ 2. Die Krankheit tritt vor allem im Erwachsenenalter auf und wird bei vielen Patienten jahrelang nicht erkannt.

Tipps

Mit der optimalen Behandlung können Diabetiker heute trotz ihrer schwerwiegenden Erkrankung ein weitgehend normales Leben führen. Wichtig ist vor allem die richtige Einstellung - nicht nur des Blutzuckers. Wer sich mit seinem Diabetes auseinandersetzt und ihn akzeptiert, kann aktiv Einfluss nehmen und gewinnt an Lebensqualität! Und je genauer sich die behandelnden Mediziner über den Krankheitsverlauf austauschen, desto besser können sie helfen. Damit Sie optimal versorgt werden, hat die IKK gesund plus Disease-Management-Programme für Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes entwickelt.

Ausgewogen ernähren
Mit einer ausgewogenen Ernährung und mehr Bewegung können Risikopatienten nicht nur das Ausbrechen eines Diabetes Typ 2 verhindern, einmal daran Erkrankte bekommen ihre Stoffwechselstörung damit auch besser in den Griff. Von starren Ernährungsregeln und dem Zählen von Broteinheiten (BE) halten Experten heute nichts mehr. Das sollten Sie jedoch beachten:

  • Essen Sie weniger tierische Fette aus Fleisch, Wurst, Butter, Eiern, Sahne und fettem Gebäck. Greifen Sie stattdessen zu mehr pflanzlichen Fetten mit einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z.B. Olivenöl, Rapsöl). Aber ernähren Sie sich insgesamt fettarm - maximal 30 Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien sollten aus Fett stammen!
  • Komplexe Kohlenhydrate sollten die Hälfte der Nahrung ausmachen: Essen Sie reichlich Vollkornprodukte, Salat, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte.
  • Verzehren Sie Fleisch nur in Maßen. Fisch kann hingegen häufig auf den Tisch kommen.
  • Ein absolutes Verbot für Haushaltszucker gilt heute nicht mehr. Mehr als 30 bis maximal 50 Gramm pro Tag sollten es aber nicht sein. Außerdem sollten Sie den Zucker nicht pur, sondern kombiniert mit anderen Nährstoffen zu sich nehmen, z.B. in Süßspeisen wie Milchreis. Auch kalorienfreier Süßstoff ist zum Süßen gut geeignet.
  • Spezielle Diabetikerprodukte sind bei einer ausgewogenen Ernährung überflüssig.

Mehr Bewegung
Übergewicht ist ein Risikofaktor für den Ausbruch einer Typ-2-Diabetes. Aber auch bei einer bestehenden Erkrankung ist eine der wichtigsten Therapieempfehlungen: Überflüssige Pfunde loswerden und sich ausgewogen und fettarm ernähren. Die Gewichtsreduktion unterstützen Sie am besten mit Bewegung. Auch Vielbeschäftigte können ihren Alltag ohne ein strammes Training aktiver gestalten und damit abnehmen. Hier einige Tipps für Ihren Alltag:

  • Fahren Sie öfter mit dem Fahrrad anstelle des Autos.
  • Erledigen Sie kürzere Wege zu Fuß statt mit dem Auto.
  • Schlagen Sie bei Fußwegen ein strammeres Tempo an.
  • Nehmen Sie die Treppe anstelle von Rolltreppe oder Aufzug.
  • Machen Sie jeden Tag fünf bis zehn Minuten Gymnastik, z.B. morgens vor dem Duschen.
  • Gehen Sie in der Mittagspause einmal um den Block.
  • Bei sitzenden Tätigkeiten: Legen Sie zwischendurch immer mal wieder ein paar Gymnastikübungen ein.
  • Kaufen Sie sich einen Hometrainer: Dann können Sie beim Fernsehen gleichzeitig radeln.
  • Schrittzähler motivieren zu mehr Bewegung. Die gesteigerte körperliche Aktivität verringert zudem den BMI-Wert den systolischen Blutdruck.

Hilfe mit Gymnasik & Tai Chi
Für manch ältere und stark übergewichtige Diabetiker sind Ausdauersportarten wie Jogging oder Walking schwer zu betreiben, vor allem dann, wenn es an Muskelkraft und Beweglichkeit mangelt. Auf körperliche Aktivitäten müssen und sollten die Betroffenen dennoch nicht verzichten. Ältere und übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes können auch von einfachen gymnastischen Übungen oder dem fernöstlichen Tai Chi (meditatives Schattenboxen) profitieren.

Auf die Füße achten
Mit diesen Symptomen kann sich der diabetische Fuß bemerkbar machen:

  • Taubheitsgefühl, Brennen, Kribbeln in Zehen und Füßen
  • ein Gefühl, wie auf Watte zu laufen
  • ein Gefühl, kalte Füße zu haben, obwohl sie warm sind
  • Schmerzen bei Ruhe, besonders nachts
  • vermindertes oder gar kein Schmerzempfinden
  • vermindertes Temperaturempfinden.

Kalte Füße, eine dünne, bläulich-blasse und pergamentartige Haut und Wadenschmerzen bzw. -krämpfe beim Gehen, die beim Stehenbleiben abklingen, können ebenfalls Warnzeichen sein. Nehmen Sie jede Veränderung ernst und sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber! Mit einer regelmäßigen und aufmerksamen Fußpflege können Sie Verletzungen vermeiden und Schädigungen der Füße vorbeugen. So sollten Sie Ihre Füße pflegen:

  • Machen Sie 2- bis 3-mal pro Woche ein Fußbad (max. 3 Minuten) ohne alkoholische Zusätze.
  • Waschen Sie Ihre Füße nur mit seifenfreien Waschlotionen und trocknen Sie diese danach auch zwischen den Zehen immer gründlich ab. Anschließend eincremen!
  • Überprüfen Sie Füße und Fußsohlen täglich mit Hilfe eines Handspiegels: Achten Sie auf Druckstellen, Entzündungen, Verletzungen.
  • Bearbeiten Sie die Füße nicht mit Scheren oder Hornhautfeilen bzw. -raspeln (Verletzungsgefahr!), feilen Sie die Nägel gerade, statt sie zu schneiden.
  • Tragen Sie nur weite, bequeme Schuhe. Laufen Sie nie barfuß!

Was tun bei Unterzuckerung

Durch den Mangel oder die Fehlfunktion des Insulins ist bei schlecht oder gar nicht eingestellten Diabetikern der Blutzuckerspiegel grundsätzlich eher zu hoch. Auch bei Diabetikern, die ihre Erkrankung gut im Griff haben, kann der Blutzuckerspiegel jedoch plötzlich stark abfallen. Dann sprechen Ärzte von Hypoglykämie (Unterzuckerung). Möglicherweise haben Sie zu wenig Kohlenhydrate gegessen, zu viel Alkohol getrunken, zu viel Insulin gespritzt oder zu viele blutzuckersenkende Medikamente genommen. Auch bei starker körperlicher Anstrengung, Erbrechen oder Durchfall kann es zu einer Unterzuckerung kommen. Sie kündigt sich u.a. mit Schweißausbrüchen, Herzklopfen, Unruhe und Nervosität an. Schreitet sie fort und ist auch das Gehirn nicht mehr mit Glukose versorgt, sind nachlassende Konzentration, Heißhunger, Sprach- und Sehstörungen, Verhaltens- und Wesensänderungen sowie schließlich eine Bewusstlosigkeit die Folge.

Reagieren Sie sofort auf die ersten Anzeichen:

  • Essen Sie 3-5 Täfelchen Traubenzucker.
  • Trinken Sie ein Glas Saft, Cola oder Limonade (keine Light-Getränke!).
  • Essen Sie dann eventuell noch eine Scheibe Brot oder etwas anderes kohlenhydratreiches wie Müsli oder Nudeln.

Wenn sich die Symptome nicht bessern, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Schwerwiegende Folgen von Diabetes

Wenn ein Typ-2-Diabetes jahrelang unentdeckt bleibt oder der Blutzucker des Patienten nicht optimal eingestellt ist, kommt es zu Ablagerungen bzw. Veränderungen an den Gefäßwänden. Außerdem werden Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt bzw. nicht mehr richtig durchblutet. Das kann zu verschiedenen Diabetes-Folgeerkrankungen führen:

  • Diabetischer Fuß (eine Form der Nervenschädigung bzw. Neuropathie): Etwa 70 Prozent aller Diabetiker haben Nervenschädigungen, die schlimmstenfalls zu einer Amputation führen können. Diabetes ist bei uns die Hauptursache für nicht-unfallbedingte Amputationen der Zehen und der Füße!

  • Schädigung des Hörvermögens (eine Form der Nervenschädigung bzw. Neuropathie): Laut einer amerikanischen Untersuchungen tretenbei Diabetikern Hörstörungen doppelt so häufig auf wie bei Nicht-Diabetikern. Diese Hörstörungen sind aber meist nur leichter bis mittelschwerer Natur.

  • Schädigung der Augen (Retinopathie): In den Industrieländern ist Diabetes der wichtigste Grund für Erblindung und Sehunfähigkeit bei Erwachsenen. Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen der Netzhaut (Retina) sind für Diabetiker deshalb Pflicht!

  • Schädigung der Nieren (Nephropathie): Diabetes ist hierzulande die Hauptursache für Nierenversagen im Endstadium und verantwortlich für etwa ein Drittel der Neuerkrankungen. Wenn die Nieren den Eiweißstoff Albumin ausscheiden, ist das ein erstes Anzeichen einer nachlassenden Nierenfunktion. Schon kleinste Mengen Albumin (Mikroalbuminorie) lassen sich im Urin nachweisen.

  • Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems: Diabetiker sind zwei- bis dreimal häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen als Menschen mit gesundem Stoffwechsel. Weil der Bluthochdruck dabei eine entscheidende Rolle spielt, sollten Patienten auf diesen Wert ein wachsames Auge haben - ebenso wie auf ihre Cholesterinwerte.