Essstörungen – Mehr als nur Diät halten

Essen ist Nahrungsaufnahme, Lebensqualität, Genuss und oft auch soziales Miteinander - somit also ein wichtiger Teil des täglichen Lebens. Für manche Menschen ist es jedoch der zentrale Lebensmittelpunkt: Wenn sich alle Gedanken und Handlungen nur noch darum drehen, wann wie viel gegessen oder eben dies vermieden werden kann, ist das ein erster Anhaltspunkt für eine Essstörung. 
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geht davon aus, dass etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung darunter leiden. Besonders gefährdet sind Jugendliche und junge Erwachsene, wobei Mädchen ein höheres Risiko für diese Erkrankung haben, als Jungen. Einer von fünf Teenagern zeigt zudem einzelne Symptome des gestörten Verhältnisses zum Essen.
Essstörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen und sollten als solche unbedingt behandelt werden. In erster Linie werden drei Arten unterschieden, die wir für Sie im Folgenden genauer beleuchten möchten.   

Bei der Magersucht, deren wissenschaftlicher Name „Anorexia nervosa“ ist, sind die Betroffenen stark auf ihre Nahrungsaufnahme bzw. auf die Vermeidung dieser fixiert. Sie verlieren im Zuge ihrer Erkrankung viel Gewicht und sind meist sehr dünn. In der Regel spricht man bei einem BMI (Body-Mass-Index) von unter 17,5 von Magersucht. Menschen mit dieser Erkrankung haben starke Angst vorm Zunehmen und treiben nicht selten exzessiv Sport. Magersüchtigen geht es nicht allein darum, schlank zu sein. Meist handelt es sich um sehr ehrgeizige, disziplinierte Menschen, die immer die Kontrolle behalten möchten und unter starkem Druck stehen. Die Selbstkontrolle wird schließlich zur Sucht, vor allem weil der Körper infolge der Extremsituation Endorphine, als Glückshormone, ausschüttet. Oft leiden die Betroffenen an tiefergehenden psychischen und sozialen Problemen, die sich schließlich in der Essstörung äußern.

Die Folgen einer Magersucht für den Körper sind lebensbedrohlich. So kann es zu Schäden der inneren Organe sowie Herzfunktionsstörungen kommen. Depressionen, welche die Magersucht häufig begleiten, führen mitunter zu Selbstmordgedanken. Durch den großen Gewichtsverlust gerät der Hormonhaushalt durcheinander – bei Frauen hat dies ein Ausbleiben der Regelblutung zur Folge, bei Männern droht Impotenz. Der mit der Erkrankung verbundene Nährstoffmangel führt zu Muskel- und Knochenschwund, Nägel und Haare werden brüchig und die Haut trocken. Das Zahnfleisch geht zurück, was sogar Zahnverlust mit sich bringen kann.

Hilfe finden Betroffene und ihre Angehörigen u.a. in Selbsthilfegruppen sowie bei Beratungsstellen, Ärzten und Therapeuten. Sollte eine ambulante Therapie keinen Erfolg bringen oder ist die Krankheit bereits besonders stark ausgeprägt, ist ein Aufenthalt in einer Spezialklinik für Essstörungen notwendig.

Die Esssucht, auch Binge-Eating-Störung genannt, äußert sich durch wiederkehrende Essanfälle, während die betroffenen Personen scheinbar wahllos übermäßig viel Nahrung zu sich nehmen. Dabei können sie die Attacken nicht kontrollieren, verlieren jedes Sättigungsgefühl und hören erst bei auftretender Übelkeit oder Magenschmerzen auf. 
Charakteristisch für die Erkrankung sind die anschließenden Schuld- und Ekelgefühle, die auf das Essen folgen. Auch während der Essattacken empfinden die Betroffenen keinen Genuss, sondern fühlen sich häufig deprimiert. Aus Scham verstecken sie das Essen vor anderen und gehen ihrer Sucht heimlich nach. Zwischen dieser extremen Form der Nahrungsaufnahme neigen die Erkrankten zum unregelmäßigen Essen, halten Diät oder fasten, um die aufgenommenen Kalorien wieder auszugleichen. Dies gelingt jedoch nicht, so dass die Betroffenen meist an starkem Übergewicht (Adipositas) mit einem BMI über 30 leiden. Charakteristisch ist auch das geringe Selbstwertgefühl, welches mit der Unzufriedenheit über den eigenen Körper zusammenhängt. Im Gegensatz zur Magersucht oder Bulimie spielt exzessiver Sport oder der Missbrauch von Abführmitteln bei der Binge-Eating-Störung keine Rolle. 
Das Krankheitsbild geht oft einher mit anderen psychischen Störungen und Anhängigkeiten. Wer an einer Esssucht leidet hat beispielsweise ein stark erhöhtes Risiko dafür, begleitend an einer Depression zu erkranken oder in eine Alkoholsucht zu geraten.
Verstärkt wird die Krankheit, deren Ursprünge in familiären Vorbelastungen bei psychischen Erkrankungen oder auch Übergewicht mit einhergehenden Mobbing in der Kindheit liegen können, zum Beispiel durch Stress oder emotional belastende Situationen. 
Die körperlichen und gesundheitlichen Folgen der Esssucht bedingen sich durch das damit verbundene Übergewicht: Herz-Kreislauf-Störungen, Bluthochdruck, Arterienverkalkung, Diabetes und Gelenkbeschwerden sind einige von ihnen. Durch die enorme psychische Belastung ist auch das Risiko für Selbstverletzungen oder einen Suizid erhöht.  

Ebenso wie bei der Magersucht ist zur Bewältigung der Erkrankung eine Therapie notwendig. Diese kann ambulant oder stationär erfolgen. Um Rückfälle zu vermeiden, spielt die regelmäßige Nachsorge eine große Rolle beim Genesungsprozess. 

Eine besondere Gefahr liegt in der verzerrten Selbstwahrnehmung der Betroffenen. Sie können ihr Gewicht nicht mehr richtig einschätzen und haben ein unrealistisches Körperbild – egal wie dünn sie bereits sind, sie fühlen sich immer noch zu dick. Werden sie auf ihr Untergewicht angesprochen, leugnen sie dieses. Sie kontrollieren ihr Gewicht regelmäßig, mitunter sogar mehrmals am Tag.

Die Folgen einer Magersucht für den Körper sind lebensbedrohlich. So kann es zu Schäden der inneren Organe sowie Herzfunktionsstörungen kommen. Depressionen, welche die Magersucht häufig begleiten, führen mitunter zu Selbstmordgedanken. Durch den großen Gewichtsverlust gerät der Hormonhaushalt durcheinander – bei Frauen hat dies ein Ausbleiben der Regelblutung zur Folge, bei Männern droht Impotenz. Der mit der Erkrankung verbundene Nährstoffmangel führt zu Muskel- und Knochenschwund, Nägel und Haare werden brüchig und die Haut trocken. Das Zahnfleisch geht zurück, was sogar Zahnverlust mit sich bringen kann. Auch sinken Blutdruck und Körpertemperatur der Betroffenen – aus diesem Grund frieren Magersüchtige ständig.

Neben den körperlichen Schäden sind auch die sozialen Folgen schwerwiegend: Die Patienten ziehen sich zurück und drohen zu vereinsamen. Die Angst, sich vor anderen zu offenbaren oder sich für das eigene Essverhalten rechtfertigen zu müssen, spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Andere Bereiche des Lebens wie Schule, Beruf oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund der ständigen Beschäftigung mit der Nahrungsaufnahme vernachlässigt oder ihnen kann durch die Schwächung des Körpers nicht mehr nachgegangen werden.

Die dritte Form der Essstörungen bildet die "Bulimia nervosa", kurz Bulimie genannt. Ähnlich wie bei der Esssucht äußert sie sich ebenfalls mit anfallartigen Essattacken, welche die Betroffenen nicht stoppen können. Da sie jedoch große Angst vor dem Zunehmen haben, erbrechen Bulimiker im Anschluss die Nahrung wieder oder nutzen Abführmittel. Auch Hungern und Fasten sowie viel Sport sind charakteristisch für das Krankheitsbild.
Oft bleiben Bulimie-Erkrankungen auch von nahestehenden Personen lange Zeit unentdeckt, da die Betroffenen ihr Ess-Brech-Verhalten im Verborgenen ausleben und ihr Körpergewicht meist im Normalbereich liegt.
Auslöser können ein Verlust, eine Trennung oder Schwierigkeiten mit den körperlichen Veränderungen in der Pubertät sein. Die Ursache liegt, wie bei den anderen bekannten Essstörungen, jedoch meist tiefer. Das Selbstwertgefühl der Betroffenen ist stark abhängig von ihrem Gewicht und Aussehen. Auch wenn die körperlichen Folgen nicht so offensichtlich sind wie bei der Magersucht oder Binge-Eating-Störung, so sind sie doch gravierend: Das häufige Erbrechen schädigt Zähne und Speiseröhre, durch den Wechsel von übermäßiger Nahrungsaufnahme und Hungern kann es zu Störungen des Verdauungstraktes kommen. Auch Nährstoffmangel und damit einhergehend Haarausfall, Zyklusstörungen und Konzentrationsprobleme sind keine Seltenheit. In schweren Fällen kann die Ess-Brech-Sucht zu einer Störung der Nebennierenfunktion oder Rissen in Magen und Speiseröhre führen.  

Auch bei dieser Essstörung ist eine ambulante Behandlung, in schwerwiegenden Fällen auch der Aufenthalt in einer Tagesklinik oder die stationäre Betreuung, notwendig. 

Neben diesen drei Hauptarten von Essstörungen sind auch Mischformen bekannt und sogar sehr häufig. Sie werden allgemein als "atypische Essstörung" benannt, jedoch nicht näher bezeichnet.