Heiserkeit - Wenn die Stimme streikt

Am Arbeitsplatz können sich ein Drittel aller Menschen keine "Unstimmigkeit" leisten. Der häufigste und harmloseste Grund für Heiserkeit ist ein Infekt der oberen Atemwege. Auch Stress, zu lautes, angestrengtes Sprechen und der Aufenthalt in schlecht belüfteten Räumen können vorübergehend auf die Stimme schlagen. Mit der richtigen Therapie verschwindet das Kratzen im Hals in der Regel schnell. Wenn die Heiserkeit über mehrere Wochen andauert, muss ein Arzt prüfen, ob mögliche organische Ursachen dahinter stecken.

Tonangebend: die Stimmbänder

Die Töne produzierenden Stimmbänder sind nur winzig klein: Etwa einen bis zwei Zentimeter lang sind die beiden Stimmlippen, deren äußerer Rand die Stimmbänder bilden. Sie werden von vier Knorpeln, dem Kehlkopf, umschlossen. Der größte von ihnen ist der "Adamsapfel", der von außen am Hals gut zu ertasten ist. Zwischen den beiden Stimmlippen liegt die Stimmritze. Rund 50 Muskeln sind nötig, um die Stimmbänder zu bewegen. Im Zusammenwirken mit der Luft, die beim Ausatmen aus der Lunge strömt, entstehen Töne. Wenn die Stimmlippen angeschwollen oder durch Wucherungen verdickt sind, klingt die Stimme "belegt", rau oder heiser.

Das hilft bei Erkältung

Es beginnt mit Kratzen im Hals, dann kribbelt es in der Nase und die Stimme wird rau. Häufigster Grund für Heiserkeit: Erkältungsviren lassen die Schleimhäute auf den Stimmlippen anschwellen. Sie können nicht mehr frei schwingen. Dadurch verändert sich die Stimme, wird knarrend tief oder piepsig hoch, bleibt schlimmstenfalls ganz weg. Am besten Sie reagieren bei den ersten Anzeichen:

  • Viel trinken - möglichst stilles Wasser, da stark kohlensäurehaltiges Mineralwasser die Schleimhäute reizt.
  • Mit Salzwasser gurgeln.
  • Warme Halsumschläge machen.
  • Salbei-, Thymian- oder frisch zubereiteten Ingwertee trinken.
  • Milde Halspastillen mit Kräuterauszügen lutschen.
  • So wenig wie möglich sprechen.

Die Stimme im Dauerstress

Was haben ein begeisterte Fan und ein Säugling gemeinsam? Sie überlasten zeitweise ihre Stimme durch ohrenbetäubendes Geschrei. Auch Lehrer und Beschäftigte in Callcentern leiden oft unter Heiserkeit. Typisch für diese "funktionelle" Form der Heiserkeit, die durch dauernde Über- oder Fehlbelastung der Stimme hervorgerufen wird, sind die so genannten "Schrei- oder Sängerknötchen". Das sind Verdickungen an den Stimmlippen. Bei Kindern bilden sie sich von selbst wieder zurück, wenn die Stimme geschont und entsprechend geschult wird. Bei Erwachsenen kann es in hartnäckigen Fällen sogar notwendig werden, dass sie operativ entfernt werden müssen.

Schweigen ist Gold

Das gilt für alle, deren Stimme schon angegriffen ist oder die immer wieder zu Heiserkeit neigen. Was kann man sonst noch tun, um die Stimme zu schonen und die unfreiwillige Sprachlosigkeit schnell zu überwinden?

  • Bitte nicht flüstern! Dabei reiben die Stimmlippen aneinander, was sie zusätzlich strapaziert.

  • Wenn Ihnen ein "Frosch im Hals" steckt, hilft es, ein Glas Wasser zu trinken oder ein Halsbonbon zu lutschen. Nicht räuspern! Dadurch schlagen die Stimmlippen mit Druck gegeneinander.

  • Halten Sie sich nach Möglichkeit nicht in Räumen auf, wo geraucht wird.

  • Sorgen Sie für gutes Raumklima, indem sie besonders während der Heizperiode Luftbefeuchter aufstellen.

  • Schonen Sie Ihre Stimme, auch wenn die akute Heiserkeit überwunden ist: Versuchen Sie grundsätzlich lautes Sprechen zu vermeiden und stattdessen intensiv zu sprechen. Durch Betonung und deutliche Artikulation erreicht man oft mehr als durch Lautstärke.

Stummer Alarm: Wann der Arzt nötig ist

Wenn Heiserkeit länger als drei Wochen andauert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er wird die Ursachen der Verstimmung abklären. Neben der akuten Kehlkopfentzündung, die im Anschluss an eine Erkältung auftreten kann, können auch verschleppte Infekte der oberen Luftwege, Polypen oder ein Ödem zu einer chronischen Reizung des Kehlkopfs und zur Heiserkeit führen. Verletzungen der Stimmbänder oder des Kehlkopfes lassen die Stimme rau werden, etwa durch den Beatmungsschlauch bei einer Vollnarkose, durch einen Stoß oder Schlag auf den Kehlkopf oder durch das Einatmen giftiger Dämpfe. Ein Schlaganfall in einer bestimmten Hirnregion kann eine Lähmung der Kehlkopfnerven und Heiserkeit zur Folge haben. Bei älteren Menschen ist der Stimmverlust häufig durch nachlassende Spannkraft der Stimmbänder bedingt und harmlos ("Greisenstimme"). In seltenen Fällen deuten lang anhaltende Heiserkeit und Schmerzen aber auch auf einen Tumor hin (Kehlkopfkrebs).