"Ich habe Rücken!" Wer hat es so oder so ähnlich schon einmal gesagt? Schnell sind in diesem Fall die Wirbelsäule und die Bandscheiben im Verdacht. Auch Rheuma kann hier die Ursache sein! Jedoch ist Rheuma keine direkte Erkrankung, sondern genau genommen ein allgemeiner Sammelbegriff für Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates.

Derzeit gibt es – je nach Einteilung – über 200 Erkrankungen, die zu den Rheuma-Erkrankungen gezählt werden. Doch wer denkt, dass dies nur ältere Menschen betrifft, liegt falsch. Durch die vielen unterschiedlichen Arten und wie sie sich äußern, können auch junge Erwachsene und sogar Kinder betroffen sein.

Grob gesehen lassen sich vier Gruppen unterscheiden.

  • Am häufigsten sind die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, denen meist eine Autoimmunerkrankung zu Grunde liegt. Dabei überreagiert das Immunsystem und greift das eigene Körpergewebe an. Dadurch entsteht eine Entzündungsreaktion in den Gelenken, den Muskeln und der Wirbelsäule. In einigen Fällen kann auch eine Entzündung der Arterien auftreten, die wiederum einzelne Organe schädigt.

  • Die degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen umfassen alle Arten von Arthrosen und Abnutzungen der Wirbelsäule, den Wirbelgelenken und den Bandscheiben.

  • Beim sogenannten Weichteilrheumatismus sind die Körperpartien betroffen, die nicht zu den knöchernen Strukturen des Bewegungsapparates gehören. Dazu gehören Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Bänder und Schleimbeutel.

  • Die letzte Gruppe umfasst Stoffwechselstörungen mit rheumatischen Beschwerden. Hierzu werden unter anderem Gicht, Osteoporose und die Eisenspeicherkrankheit gezählt.

All diese Erkrankungen betreffen dabei nicht nur ältere Menschen. Immer mehr junge Betroffene leiden an einigen speziellen Arten der Erkrankung. Bei Morbus Bechterew zum Beispiel erkrankt die untere Wirbelsäule beim Übergang zum Becken. Die Beschwerden treten meist schon zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf. Ein anderes Beispiel ist Fibromyalgie, welche am häufigsten zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr vermehrt bei Frauen auftritt.

Warum diese Erkrankungen entstehen und welche Ursachen zugrunde liegen, ist bis dato noch nicht restlos geklärt. Wie bereits angesprochen, spielen Autoimmunprozesse eine entscheidende Rolle. Daneben können auch erblich bedingte Faktoren zur Entstehung beitragen. Gleiches gilt für schädliche Umwelteinflüsse wie Rauchen oder Alkoholkonsum und eine zu starke Überbelastung der Gelenke. Man geht aber davon aus, dass mehrere diese Faktoren zusammenspielen und dadurch das Risiko einer Erkrankung steigt. Bei einer Sache sind sich die Mediziner jedoch einig: Bleibt Rheuma unbehandelt, kommt es im Laufe der Jahre immer mehr zu einer vollständigen Zerstörung der Knorpel, Sehnen und Bänder.

Der Beginn einer rheumatischen Erkrankung ist meist nicht als solcher zu erkennen. Selbst Mediziner haben Schwierigkeiten, denn die Patientinnen und Patienten klagen meist nur über leichtes Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Schmerzende und geschwollene Gelenke treten erst später auf und werden meist mit schlechtem Schlaf oder Überanstrengung erklärt. Da Rheuma in sehr vielen verschiedenen Formen auftreten kann, können auch die Beschwerden sehr unterschiedlich sein. Zu den typischen Symptomen zählen schmerzende und geschwollene Gelenke, die auch in ihrer Fähigkeit zur Bewegung eingeschränkt sind. Dies tritt vermehrt nach Ruhephasen (insbesondere morgens nach dem Aufstehen) auf. Bei fortgeschrittener Erkrankung kommt es zur Verformung der Gelenke und manchmal bilden sich harte Knoten unter der Haut, die unempfindlich gegen Druck oder Berührungen sind. Einige Rheumaarten beginnen in der Wirbelsäule, andere wiederum zeigen sich in den Füßen oder den Fingern. Manche rheumatische Erkrankungen wie die Arthritis verlaufen schubweise, andere hingegen langsam fortschreitend. Hierzu zählt die Arthrose.

Um Rheuma eindeutig diagnostizieren zu können, müssen zwei Dinge gegeben sein: mindestens drei entzündete Gelenke über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen und ein Nachweis des so genannten Rheumafaktors im Blut.

Der Rheumafaktor ist ein Autoantikörper, der sich gegen den Körper richtet. Bei einer Blutuntersuchung wird getestet, wie hoch der Gehalt dieser Rheumafaktoren ist. Übersteigt er eine gesetzte Grenze, bedeutet dies, dass viele entzündungsfördernde Stoffe (Autoantikörper) im Blut sind und eine rheumatische Erkrankung vorliegt. Zu bedenken ist jedoch, dass dies nicht immer der Fall sein muss und umgekehrt der Rheumafaktor hoch sein kann, aber keine Erkrankung vorliegt. Er ist also nur eines von vielen Indizien für Rheuma.

Da die vorgestellten Erkrankungen nach heutigem Stand nicht heilbar sind, bleibt lediglich eine professionelle Linderung der Beschwerden, um den Betroffenen ein überwiegend schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Primär werden die Symptome mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten behandelt. Außerdem gibt es inzwischen viele Therapiemöglichkeiten. Dazu zählen Physiotherapie, Ergotherapie sowie verschiedene physikalische Therapien wie Wärme, Kälte und Strom. Sollten die Gelenke im fortgeschrittenen Stadium bereits weitgehend zerstört sein, kann eventuell ein Ersatz durch Gelenkprothesen in Betracht gezogen werden.

Wer denkt, dass Rheuma nur bei älteren Menschen vorkommt, der irrt. Auch junge Leute und Kinder können unter entzündlichen Gelenkerkrankungen leiden. Laut Schätzungen sind 15.000 Kinder unter 16 Jahren an chronischem Rheuma erkrankt. Häufig handelt es sich dabei um die juvenile idiopathische Arthritis. Je nach Ausprägung kann sie mit schmerzhaften Gelenkschwellungen, Sehnen- oder Augenentzündungen verbunden sein.

Entzündlich rheumatische Erkrankungen bei Kindern zeigen sich häufig nach Infektionen. Die meisten lassen sich gut behandeln und klingen nach Tagen, Wochen, manchmal aber auch erst nach Monaten ohne Folgen ab. Chronische Rheumaerkrankungen dagegen beginnen oft harmlos ohne vorherige Erkrankung. Schmerzen, Schwellung, Erwärmung oder Rötung in Gelenken oder Gliedmaßen bleiben bestehen und schreiten fort, bis es schließlich zu Gelenkschädigungen kommt. Nicht immer ist es für Eltern einfach, die Anzeichen richtig zu deuten. Denn Kinder klagen weniger über Schmerzen und Bewegungseinschränkungen als Erwachsene. Erste Zeichen werden daher häufig nicht erkannt und die Kinder als faul oder ungezogen hingestellt. Bei folgenden Anzeichen sollten Eltern aufhorchen.

Hinweise auf eine rheumatische Erkrankung beim Kind:

  • steife Gelenke am Morgen Schmerzen nach dem Aufstehen
  • Schonhaltungen, die betroffenen Kinder bewegen und belasten das erkrankte Gelenk weniger und führen Ausweichbewegungen durch
  • Gelenkschwellungen
  • Überwärmung einzelner Gelenke
  • Kinder, die laufen können, aber wieder getragen werden wollen
  • Schwierigkeiten beim Anziehen, Greifen oder Schreiben
  • Augenentzündungen

Die richtige Therapie
Gibt es Hinweise auf eine Rheumaerkrankung beim Kind, sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Aus vielen verschiedenen Puzzleteilen gilt es dann, die richtige Diagnose zu stellen. Gerade bei Rheumaerkrankungen kann dies schwierig sein. Eine gute Anlaufstelle sind Rheumaambulanzen und Rheumakliniken speziell für Kinder. In diesen Einrichtungen gibt es Ärzte und andere Therapeuten, die sich auf Rheumaerkrankungen im Kindes- und Jugendalter spezialisiert haben. Bei einer rechtzeitigen Behandlung mit Medikamenten und Physiotherapie können Schmerzen und Entzündungen abklingen und ein Fortschreiten von Gelenkschädigungen aufgehalten werden.