Sprechstörungen – Schwierige Hürde im Alltag

Sprechen ist wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation. Ist diese Fähigkeit jedoch beeinträchtigt, leidet das soziale Leben und somit das Wohlbefinden stark. Eine Sprechtherapie beim Logopäden kann auch bei lange bestehenden Störungen Erfolge bringen.

Die Fähigkeit zu sprechen, ist eine der größten Errungenschaften des Menschen und hat nahezu alle weiteren Entwicklungen und Erfindungen bis hin zur heutigen Zeit erst möglich gemacht. Miteinander zu sprechen, bedeutet Kommunikation, Beziehung, wahrnehmen und wahrgenommen werden – kurzum die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Störungen der Sprechfunktion können aus diesem Grund weitreichende Auswirkungen haben: Betroffene fühlen sich zunehmend unsicher und vermeiden das Sprechen, was einen enormen Leidensdruck hervorrufen und die Lebensqualität einschränken kann. Dabei sind die meisten Probleme gut behandelbar.

In der Medizin unterscheidet man zwischen Sprachstörungen und Sprechstörungen. Erstere sind meist ein neurologisches Problem, da die gedankliche Erzeugung der Sprache, z.B. in Folge eines Schlaganfalls oder einer Demenzerkrankung, gestört ist. Sie äußern sich mit Wortfindungsstörungen, Wortverwechslungen oder Fehlern im Satzbau. Bei den Sprechstörungen ist die Bildung von Lauten beeinträchtigt. Dies kann sowohl psychische als auch körperliche Ursachen haben: So können Ängste oder Phobien die Fähigkeit zur Lautbildung blockieren. Andere Betroffene leiden an einem Hörfehler und nehmen die falsch produzierten Laute selbst gar nicht wahr. Auch Zahn- oder Kieferfehlstellungen sowie körperliche Behinderungen können dazu führen, dass keine korrekte Aussprache möglich ist.

Bei den Sprechstörungen unterscheidet man verschiedene Arten. Nicht immer lassen sie sich trennscharf von den Sprachstörungen abgrenzen. Manche können auch gemeinsam auftreten.

Lispeln

Eine der wohl bekanntesten und häufigsten Sprechstörungen ist das Lispeln. Hier werden die Zischlaute "s", "ß", "ch" oder "sch" falsch gebildet. Dies passiert normalerweise hinter den Schneidezähnen – Menschen, die lispeln, bilden die Laute aber an den Zähnen, strecken die Zunge dabei zwischen die Zähne oder lassen die Luft seitwärts vorbeiströmen.

Stottern

Beim Stottern werden ungewollt Laute, Silben oder sogar ganze Worte wiederholt. Dem Zuhörer erscheint es, als würde der Sprecher buchstäblich an einem Wort "festhängen". Und dem ist tatsächlich so: Zwar möchten die Betroffenen ein Wort aussprechen, sind im Moment des Stotterns aber wie blockiert. Bis heute ist nicht ausreichend geklärt, welche Ursachen dieser Sprechstörung zugrunde liegen.

Poltern und Bradylalie

Das so genannte Poltern zeichnet sich durch ein besonders schnelles bzw. wechselndes Sprechtempo, welches "Tempospurts" beinhaltet, aus. Das Gesagte ist schwer verständlich, denn Laute werden ausgelassen, verschmelzen miteinander oder werden fehlerhaft ausgesprochen. Auch die Verwechslung von Buchstaben in einem Wort tritt auf. Die Ursache ist vermutlich neurologischer Art – so spricht man in manchen Fällen auch von einer Mischform aus Sprach- und Sprechstörung.
Auch die Bradylalie lässt sich nicht genau abgrenzen. Betroffene ziehen Silben stark in die Länge und haben allgemein ein verzögertes Sprechtempo, da sie dazwischen häufig Pausen machen.

Mutismus

Eine Sonderform der Sprechstörungen ist der Mutismus: Das Schweigen. Die Fähigkeit zu sprechen ist hier jedoch nicht eingeschränkt. Häufig lässt sich dieses Phänomen bei Kindern oder Jugendlichen beobachten. Seltener als der totale Mutismus tritt die selektive Form auf. Bei diesem wird nur in bestimmten Situationen, bei einem bestimmten Personenkreis oder an bestimmten Orten geschwiegen oder, im Gegenteil, nur in diesen Fällen gesprochen. Ängste, Stress oder die familiäre Veranlagung für ein gehemmtes Kommunikationsverhalten sind einige Ansätze zur Erklärung. Abschließend konnten die Gründe dafür jedoch noch nicht benannt werden.

Die grundsätzliche Sprachentwicklung bei Kindern ist etwa mit fünf Jahren abgeschlossen. Ab einem Jahr erreichen die Kleinsten in der Regel die Stufe der ein-Wort-Sätze, zwischen anderthalb und zwei Jahren folgen die Zwei- bis Dreiwortsätze. Die Grammatik verbessert sich bis zum dritten Geburtstag, im Anschluss festigen sich der Wortschatz und seine korrekte Anwendung.
Während dieser komplexen Entwicklung können zeitweilig Sprechstörungen auftreten. So werden S-Laute erst am Ende der Sprachentwicklung erlernt, was ein Lispeln begünstigen kann. Zusätzlich erschwert der Zahnwechsel zeitweilig das Sprechen, was oft zu vorrübergehenden Schwierigkeiten bei der Lautbildung führt. Auch Stottern tritt erstmalig zwischen zwei und sechs Jahren auf, kann sich aber im Laufe der Kindheit "verwachsen".
Eltern sollten demnach nicht in unbegründete Sorge verfallen – langes Abwarten ist aber ebenso wenig angeraten, da sich bestehende Sprechstörungen verfestigen können. Wenn Sie Auffälligkeiten in der Sprache Ihres Kindes feststellen, sollten Sie sich an Ihren Kinderarzt wenden. Er berät Sie gern und weiß, wann eine Therapie nötig ist.     

Um am täglichen sozialen Miteinander teilzunehmen, ist es unerlässlich, miteinander zu sprechen. Wer an einer Sprechstörung leidet, dem fällt die Kommunikation mit anderen mitunter schwer. Der Leidensdruck, der daraus folgt, ist nicht zu unterschätzen: So kann es zu Verständigungsschwierigkeiten kommen, die den Alltag belasten. Betroffene ziehen sich eventuell zurück und meiden Situationen, in denen sie mit anderen sprechen müssen. Die Angst vor Ausgrenzung sowie Mobbing kann bestehende Schwierigkeiten noch verstärken.

Als Experte für die Sprecherziehung behandeln Logopäden Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen mit dem Ziel, die Kommunikationsfähigkeit des Patienten zu verbessern. Sowohl Kinder als auch Erwachsene nehmen eine solche Therapie in Anspruch. Während in jungen Jahren viele Sprechstörungen mitunter komplett korrigiert werden können, erzielt die Behandlung bei Erwachsenen je nach Störungsart und Schweregrad unterschiedliche Erfolge. Viele Probleme können jedoch deutlich verbessert werden. So ist beispielsweise das Lispeln in jedem Alter gut behandelbar.
Nachdem der Logopäde die endgültige Diagnose gestellt hat, beginnt die Behandlung mit motorischem Sprechtraining und verschiedenen Übungen unter fachkundiger Anleitung. Um einen langfristigen Erfolg sicherzustellen, sollten diese zwischen den Therapiesitzungen zu Hause wiederholt werden.