Gruseln, Schaudern, Fürchten & weshalb wir es so mögen

Halloween steht vor der Tür und wie jedes Jahr geht es bei diesem Fest ums Gruseln und Schaudern. Wir fürchten uns gerne, auch wenn wir uns dabei unterbewusst sicher fühlen und genießen das Auf und Ab der Gefühle. Geisterbahnen, Horrorfilme, Schauergeschichten – seit jeher mögen es die Menschen, sich zu fürchten und zu erschrecken. Kennen Sie das leichte Kribbeln im Bauch, nachdem Sie sich erschreckt haben und hinterher lachen mussten? Generell ist Angst ein ganz natürlicher Reflex unseres Körpers, um mit gefährlichen Situationen und fremdartigen Dingen umzugehen und uns in Alarmbereitschaft zu versetzen. Der Körper reagiert mit der Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin. Haben wir jedoch die Gewissheit, dass uns nichts passieren kann und wir in Sicherheit sind, geht eine Welle der Entspannung, Erleichterung und Freude durch den Körper. Es werden Glückshormone ausgeschüttet, die uns ein wohliges Gefühl bescheren. Wir fangen an, die furchteinflößende Situation zu genießen. Forscher sprechen von einer so genannten "Angstlust".

Besonders Kinder lieben den Wechsel zwischen dem Aufgeben und Wiedererlangen von Sicherheit. Dabei lernen sie spielerisch mit der Angst in einer Bedrohungslage und den negativen Gefühlen, wie zum Beispiel Aufregung und Stress, umzugehen. Als einfachstes Beispiel lässt sich dabei das "Fangenspielen" nennen. Die Angst verfolgt und geschnappt zu werden, löst dabei den natürlichen Fluchtreflex aus. Kleinkinder lieben es, von ihren Eltern gejagt und gefangen zu werden, weil sie die innere Gewissheit haben, dass ihnen nichts passiert. Sie reagieren deshalb mit lautem Lachen, wenn sie durch die Wohnung flitzen. Würde dies ein Fremder versuchen, fiele die Reaktion dagegen ganz anders aus.
Vorschulkindern bereitet es viel Freude, selbst in die Rolle von Monstern und Gespenstern zu schlüpfen und sich gegenseitig zu erschrecken. Im Spiel stellen sie sich ihren Ängsten und können ihren Mut entdecken. So lernen sie, dass sie mit ihren Ängsten umgehen und diese bewältigen können.

Merkwürdigerweise sind es nicht die achtarmigen, dreiköpfigen, feuerspeienden, fliegenden Monster, die uns am meisten Angst bereiten, sondern die Figuren, die uns Menschen eher sehr ähneln. Völlig künstliche und hochabstrakte Figuren werden meist eher sympathisch und akzeptabler wahrgenommen. Menschenähnliche Figuren wie Horrorclowns und Zombies sind hingegen sehr viel angsteinflößender. Dies hat mit der Verschiebung zwischen Wahrnehmung und Erwartung zu tun. Diese Figuren sind uns dann zwar sehr ähnlich, aber eben doch nicht menschlich. Diese Abweichung macht uns misstrauisch und irritiert uns. Sehen wir einen Menschen, erwarten wir, dass er sich auch wie einer verhält. Tut er es dann nicht, entsteht eine große Lücke zwischen der Akzeptanz und der Menschenähnlichkeit. Dieses Phänomen wurde erstmals in den 1970er Jahren näher beleuchtet und nennt sich "Uncanny-Valley-Phänomen" (Das unheimliche Tal).  

Schaut man sich die alten Mythen und Sagen an, fällt auf, dass die Menschen für unerklärliche Dinge übernatürliche Wesen wie Drachen, Geister und Riesen verantwortlich gemacht haben. Sie fürchteten sich vor Dingen, die sie direkt oder indirekt bedrohten. An Außerirdische, Zombies oder Roboter hat damals natürlich noch niemand gedacht. So hat jede Zeit ihre eigenen "Monster".
Frankenstein entstand 1818 und symbolisierte die Angst vor ethischen Grenzüberschreitungen durch den technischen Vorsprung. Godzilla, die mutierte Riesenechse, entstand nach den beiden Atombombenabwürfen auf Japan und den zahlreichen weiteren Tests im Pazifik, da die Menschen Angst vor Verstrahlung und Mutationen hatten. Die Furcht vor Außerirdischen beschäftigte die Menschen mit dem Beginn der Raumfahrt in den 1950er und 1960er Jahren.
Die Monster unserer Zeit sind Aliens, Zombies und Cyborgs, da diese Figuren die zeitgeistigen Ängste vor beispielsweise Pandemien, fehlgeschlagenen wissenschaftlichen Experimenten oder unkontrollierbarer Technik widerspiegeln. Somit sind die jeweiligen Figuren auch ein Anhaltspunkt, welche Sorgen und Ängste die Menschen beschäftigen.