Schnell handeln bei Notfällen mit Kindern

Gerade bei Kindern genügt Vorsicht allein nicht. Ein Unfall ist schneller geschehen, als man glaubt. Kinder sind täglich gefährlichen Situationen ausgesetzt. Zu Hause, in der Schule oder im Kindergarten, beim Sport und auf der Straße erleidet jährlich jedes 6. Kind unter 15 Jahren einen Unfall, der ärztlich versorgt werden muss. Zunächst aber sind meist die Eltern gefordert: Wissen sie, was im Notfall zu tun ist? Wie reagieren Sie schnell und richtig, wenn Ihr Kind sich verletzt hat?

Prellungen und Brüche

Stürze machen mehr als die Hälfte aller Unfälle aus, die Kindern zu Hause passieren. Zum Glück bleibt es oft bei einer Beule. Prellungen sollten Sie sofort 20 Minuten lang kühlen. So können Sie starke Schwellungen vermeiden. Am besten eignen sich dafür Gel-Kompressen, die Sie stets im Gefrierfach parat liegen haben sollten! Um die Haut vor Erfrierung zu schützen, legen Sie ein Tuch unter. Bei jedem vierten Unfall ist jedoch ein Knochen gebrochen. Dann treten starke Schmerzen sowie Schwellungen auf. Das A und O: Ruhigstellen (durch Abpolstern oder ein Armtragetuch) und den Rettungsdienst rufen!

Platz- und Schürfwunden

Jeder zweite Unfall bei Kindern verzeichnet eine offene Wunde. Eine solche Platzwunde blutet meist stark. Aber kein Grund zur Panik. Bei einer stark blutenden Wunde (Ausnahme: der Knochen ist im Wundbereich verletzt) legen Sie einen Druckverband (keimfreie Wundauflage, dann Verband, darüber Druckpolster und wieder Verband) an und fahren anschließend mit dem Kind zu einem Unfallchirurgen oder in das nächste Krankenhaus. Zeigt das Kind Anzeichen eines Schocks (Blässe, Frösteln usw.) oder klagt es über Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, rufen Sie den Rettungsdienst. Hat es einen Stoß oder Schlag auf den Kopf erhalten, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Oberflächliche Schürfwunden hingegen versorgen Sie am besten mit einem Pflaster- oder Wundschnellverband. Ist die Wunde stark verunreinigt, sollten Sie zum Schutz vor Tetanus und anderen Krankheitserregern innerhalb von sechs Stunden einen Arzt aufsuchen. Fremdkörper sollten Sie nie selbst aus einer Wunde entfernen - überlassen Sie das einem Arzt. Zur Sicherheit immer überprüfen, wann die letzte Tetanus-Impfung war.

Verschluckte Kleinteile

Dinge, die Kinder gern zwecks eingehender Untersuchung in den Mund stecken, finden sie in der alltäglichen Umgebung: Vom abgerissenen Knopf über Erdnüsse bis hin zu den Legosteinen des großen Bruders. Hat Ihr Kind etwas verschluckt, sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen. Lebensbedrohlich ist, wenn das Kind das Kleinteil eingeatmet hat und es so die Atemwege blockiert. Neben akuter Luftnot treten Hustenreiz und pfeifende Atemgeräusche auf. Es muss so schnell wie möglich "ausgehustet" werden. Da gilt es beherzt zu handeln. Ein kleines Kind nehmen Sie am besten an den Fußgelenken und heben es kopfüber hoch. Einem älteren Kind schlagen Sie bei vornüber geneigtem Oberkörper mit der flachen Hand kräftig zwischen die Schulterblätter. Lässt der Fremdkörper sich so nicht entfernen, Oberbauchkompressionen (so genannter Heimlich-Handgriff: von hinten mit beiden Händen unter dem Brustbein auf den Bauch umfassen und ruckartig nach hinten Richtung Wirbelsäule drücken) anwenden und den Rettungsdienst alarmieren. Fremdkörper, die in Nase oder Ohren feststecken, sind meist nicht lebensbedrohlich, müssen aber stets vom Arzt entfernt werden. 

Verbrühungen und Verbrennungen

Ein heißes Bügeleisen, kochendes Wasser, ein Grill – Bei Verbrennungen sollten Sie die betroffene Stelle möglichst sofort für ca. 10 Minuten mit Coolpacks oder Wasser kühlen. Das gilt auch bei Verbrühungen, allerdings sollten sie hier die Kleidung an der betroffenen Stelle entfernen. Bei Verletzungen am Rumpf am besten saubere, mit kaltem Wasser (ca. 10-15°C) getränkte Tücher auflegen. Danach die Wunde mit einer keimfreien Auflage bedecken. Brandblasen nie öffnen und weder Puder noch Brandsalbe auf die Wunde geben! Wenn ein Kleidungsstück Feuer fängt, die Flammen mit Wasser oder Löschdecken ersticken oder den Betroffenen notfalls auf dem Boden wälzen. Danach die Brandwunden wie beschrieben versorgen. Bei großflächigen Verbrennungen sofort den Rettungsdienst rufen und den Verletzten hinlegen, Beine hoch lagern, leicht zudecken und in seiner Nähe bleiben. 

Reinigungsmittel und ätzende Flüssigkeiten

Reinigungsmittel in grellbunten Flaschen üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Und vermeintlich "kindersichere" Verschlüsse halten oft nicht, was sie versprechen. Ist die Kleidung des Kindes mit ätzender Flüssigkeit durchtränkt, entfernen Sie diese (aber nicht abreißen, falls diese am Körper klebt!). Dabei am besten mit Handschuhen arbeiten, um sich nicht auch noch selbst zu verletzen. Die betroffene Stelle 15 bis 20 Minuten unter fließendem Wasser spülen. Danach die Wunde mit einer keimfreien Wundauflage bedecken. Bei Verätzungen am Auge den Kopf des Kindes zur Seite des verletzten Auges neigen und aus etwa 10 cm Höhe Wasser in den inneren Augenwinkel laufen lassen, das dann zum äußeren Augenwinkel abfließt. Dabei das Auge und das unten liegende Ohr vor Spritzern schützen. Bei Verätzungen im Mundbereich niemals Erbrechen herbeiführen, sondern mit Wasser gurgeln lassen! Dann den Rettungsdienst alarmieren. 

Bei jedem Kinderunfall wichtig

Neben den speziellen Hinweisen für die unterschiedlichen Arten von Notfällen gibt es allgemeine Regeln, die Sie beachten sollten, damit Ihr Kind nicht zusätzlich beunruhigt wird:

  • Bleiben Sie selbst ruhig und gefasst. Verbreiten Sie keine Panik.
  • Sprechen Sie Trost und Mut zu! Bleiben Sie bei dem Kind, während Sie auf einen Arzt warten.
  • Erklären Sie möglichst genau, was Sie gerade unternehmen, um die Wunde oder Verletzung zu versorgen.
  • Machen Sie keine Vorwürfe und Schuldzuweisungen.

Wiederbelebung im Notfall

Ist ein Verletzter nicht bei Bewusstsein und atmet er nicht, sind Wiederbelebungsmaßnahmen nötig. Laut neuen Empfehlungen der Internationalen Expertenkommission sollen bei Erwachsenen wie auch Kindern nach 30 Kompressionen des Brustkorbs zwei Atemspenden gegeben werden. Vor allem die Herzmassage ist für das Überleben entscheidend. Und so geht's:

  • Herzdruckmassage: Der Druckpunkt befindet sich auf der Mitte des Brustkorbes im unteren Brustbeindrittel. Hände übereinander legen, die Finger verschränken und den Druckpunkt mit dem Handballen grundsätzlich bis zu einem Drittel der Brustkorbhöhe eindrücken. Bei Kleinkindern bis zu einem Jahr mit zwei Fingern den Druckpunkt ca. 2 cm, bei Kindern über einem Jahr mit einer Hand den Druckpunkt ca. 3 cm tief eindrücken.

  • Mund zu Nase beatmen: Den Kopf soweit überstrecken, dass die Atemwege frei sind und mit leichtem Daumendruck gegen die Unterlippe den Mund verschließen. Einatmen, Mund um die Nase des Patienten (bei Kleinkindern um Mund und Nase) legen. Die Luft einblasen, bis sich der Brustkorb erkennbar hebt.