Berufspendler – Stress durch lange Fahrzeiten

Für den täglichen Weg zum Job mitunter Stunden auf den Straßen und Bahnschienen des Landes zu verbringen, ist für rund 30 Millionen Menschen in Deutschland Alltag. Als Pendler sind Wohn- und Arbeitsort für sie zwei verschiedene Dinge. Die Entfernungen, die dabei zurückgelegt werden, sind unterschiedlich, reichen aber bis zu mehreren hundert Kilometern. Bereits ab einer einfachen Strecke von 25 Kilometern gilt man als Fernpendler. Wichtiger als diese reinen Zahlen scheint für das persönliche Wohlbefinden jedoch zu sein, wie viel Zeit ein Arbeitnehmer täglich auf der Fahrt zur oder von der Arbeit verbringt. Ab einer dreiviertel Stunde Fahrtzeit steigt der Stress durch Pendeln laut Studien deutlich an. Das tägliche Fahren umgehen einige Berufstätige, indem sie unter der Woche einen Zweitwohnsitz oder eine Unterkunft an ihrem Arbeitsort beziehen und erst zum Wochenende in die Heimat zurückkehren. Die Norm bleibt jedoch: morgens zur Arbeit, am Abend wieder nach Hause. Ein bewusster Umgang mit der eigenen Gesundheit und Gelassenheit im Alltag können den Belastungen entgegenwirken.

Fortbewegungsmittel Nummer eins unter den Pendlern ist immer noch das eigene Auto, da es oft als vermeintlich flexibler empfunden wird. Schließlich sind sie damit weder auf eine Abfahrtzeit noch auf Anschlusszüge oder andere Personen angewiesen. Zu viel Verkehr, besonders zu den Stoßzeiten, Baustellen und Stau machen diesen scheinbaren Vorteil allerdings zunichte. Wer diesen Problemen mit der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel entgegenwirken möchte, sieht sich bald mit anderen Schwierigkeiten konfrontiert: Verspätungen, Schienenersatzverkehr oder das Verhalten der Mitreisenden können ebenso an den Nerven zehren. Pendler haben durch ihre besondere Situation auch mit spezifischen gesundheitlichen Belastungen zu kämpfen. So leiden sie unter anderem durch das lange Sitzen in Verkehrsmitteln sowie dem Zeitverlust durch den Arbeitsweg, der den Sport nach Feierabend erschwert, unter Bewegungsmangel. Dies wiederum zieht körperliche Beschwerden wie beispielsweise Rückenschmerzen nach sich.

Auch die gesunde Ernährung bleibt durch das berufliche Pendeln im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Statt abwechslungsreiches Essen, welches mit Genuss verzehrt wird, greifen viele zu kalorienreichen Snacks auf die Hand. Der Stress durch die lange Fahrt, fehlende Freizeit und Entspannung sowie permanenter Zeitdruck wird im Laufe der Zeit chronisch und bringt Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie psychosomatische Probleme mit sich. Das Seelenleben leidet: Pendler fühlen sich häufig ausgeschlossen, weil das Leben scheinbar an ihnen vorbeiläuft – sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz. Die Zeit für Hobbies, die einen Ausgleich schaffen können, haben die Wenigsten.

Wie aber kommt es, dass trotz dieser langen Liste an gesundheitlichen Beschwerden, welche die lange Fahrt mit sich bringt, so viele Menschen weiterhin diese Belastung auf sich nehmen? Oft ist der Erhalt des gewohnten Umfelds mehr wert als die Zeit, welche die Berufspendler sparen würden, wenn sie an ihrem Arbeitsort wohnten. Familie, Freunde, der Sportverein oder die Schule der Kinder – viele von ihnen sind zu sehr mit ihrem derzeitigen Wohnort verwurzelt, sodass ein Wechsel für sie keine ernsthafte Option wäre.
Die Bereitschaft zum Umzug sinkt auch durch zunehmend befristete Arbeitsverträge. Diese Zukunftsperspektive ist zu unsicher, um den Wohnort langfristig zu verlegen. Dazu kommen hohe Mieten in den Ballungsgebieten, in denen die Arbeitsplätze zu finden sind. Diese verlagern sich immer weiter in die Stadt, während sie auf dem Land fehlen – mit dem bezahlbaren Wohnraum ist es genau andersherum. So bleibt häufig auch aus finanzieller Sicht nur das Pendeln.

Sind Sie selbst vom Pendeln betroffen und können oder wollen aus verschiedenen Gründen nichts an dieser Situation ändern, sollten Sie vermehrt auf Ihre Gesundheit achten. Das heißt zum Beispiel, dass trotz wenig Freizeit die Bewegung nicht zu kurz kommen darf. Wenn möglich, können Sie diese vielleicht sogar in Ihren Arbeitsweg einbinden, indem Sie einen Teil davon zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen. Ausreichend Schlaf und eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung tragen zur Steigerung Ihres Wohlbefindens bei.
Setzen Sie sich im Privaten nicht zu sehr unter Druck und versuchen Sie, Ihren eigenen Rhythmus zu finden: Reservieren Sie zum Beispiel den Feierabend ausschließlich für Freizeitaktivitäten und Zeit mit Ihren Liebsten. Oder halten Sie es genau andersherum, indem Sie sich das Wochenende komplett freihalten und an diesen Tagen ohne jegliche Verpflichtung abschalten können.
Sehen Sie auch den Arbeitsweg als eine Zeit an, in der Sie etwas Gutes für sich tun. Besonders auf Zug- oder Busfahrten geht das recht einfach, indem Sie lesen, entspannen oder sogar einen kurzen Power-Nap einlegen. Für das Auto eignen sich Hörbücher oder Ihre Lieblingsmusik, um sich für den Tag zu wappnen oder in Feierabendstimmung zu kommen. Sie können den Weg auch mit einer nützlichen Erledigung verbinden und so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – das garantiert mehr Freiraum für andere Aktivitäten. Stress reduzieren Sie außerdem, indem Sie einen ausreichenden Zeitpuffer einplanen. So bleiben Sie gelassen, wenn es im Straßenverkehr einmal länger dauert. Akzeptieren Sie auch, dass Sie manche Unwegsamkeiten nicht beeinflussen können.

Allein fahren ist Ihnen zu langweilig? Bilden Sie Fahrgemeinschaften mit Kollegen oder melden Sie sich bei einer Mitfahrzentrale an. So können Sie auf dem Arbeitsweg neue Leute kennenlernen und vielleicht sogar nützliche Kontakte knüpfen. Nicht zuletzt ist diese spritsparende Variante um einiges umweltbewusster als die Ein-Personen- Fahrt im PKW.

Sprechen Sie auch mit Ihrem Arbeitgeber und finden Sie gemeinsam Lösungsansätze, um Ihnen das Pendeln zu erleichtern. Vielleicht ist es möglich eine Gleitzeitregelung zu nutzen oder einen regelmäßigen Home-Office-Tag einzurichten. Schon kleine Veränderungen können Ihnen Entlastung bieten.