Die Brennnessel – Unterschätzte Naturarznei

Für viele Menschen ist sie ein eher lästiger Gast im heimischen Garten: die Brennnessel. Dabei handelt es sich bei dem vermeintlichen Unkraut um eine vielseitig einsetzbare Heilpflanze. Wir verraten Ihnen, wofür sie genutzt und wie sie angewendet wird.

Sicher kennen auch Sie folgendes Szenario: Sie sind gerade bei der Gartenarbeit, als Sie plötzlich etwas in den Finger sticht – eine Brennnessel hat den Weg in Ihr Beet gefunden und macht Ihnen die weitere Arbeit schwer. Genau diese Eigenschaft ist der Grund, weshalb sich die Pflanze nur geringer Beliebtheit erfreut. Wenn im Sommer kurze Hosen und T-Shirts Hochsaison haben, steht auch sie in voller Höhe und erwischt so machen Hobbygärtner oder Spaziergänger mit ihren nesselbesetzten Blättern an Armen oder Beinen. Tatsächlich ist die Brennnessel aber nicht einfach nur störendes Unkraut, sondern eine Heilpflanze und ein altes Hausmittel, das zahlreiche Beschwerden lindert.

Schmerzhafter Stich am Wegesrand

Wer an die Brennnessel denkt, der hat meist sofort den unangenehmen Effekt vor Augen, welchen Sie auf die Haut hat: Streift man ihre Blätter brennt es und es bilden sich rote, erhabene Flecken an der entsprechenden Stelle. Wie aber kommt es dazu? Die Erklärung ist einfach: Die Pflanze hat zahlreiche kleine Haare, die auf ihren Blättern und dem Stängel sitzen. Berührt man die Brennnessel, wirken diese wie Nadeln, die in die Haut stechen. Dabei verteilen sie eine Flüssigkeit, welche für das charakteristische Brennen verantwortlich ist. Schon der Volksmund besagt, dass Brennnesselgift gegen Rheuma helfen soll. Entgegen der häufigen Annahme ist aber nicht die angeblich durchblutungsfördernde Wirkung schuld daran. Vielmehr sind es entzündungshemmende Wirkstoffe, die rheumatische Beschwerden lindern können.

Als Tee besonders beliebt

Der Einsatz der Brennnessel als Heilpflanze ist in Form eines Aufgusses, der dann getrunken wird, wohl am weitesten verbreitet. Die getrockneten Blätter werden dabei einfach mit heißem Wasser aufgegossen und einige Minuten lang ziehen gelassen. Brennnesseltee wirkt entwässernd und ist deshalb bei Blasen- oder Nierenbeschwerden gut anwendbar. Außerdem gilt er als entschlackend und kann so beispielsweise eine Fastenkur begleiten.
Erschöpfungszustände und Müdigkeit, welche mit Eisenmangel in Verbindung stehen, können mit dem Verzehr der Brennnessel, zum Beispiel in einem leckeren Salat, gut bekämpft werden – die Pflanze ist ein hervorragender Eisenlieferant.

Brennnesseln im eigenen Garten

In der Regel ist es nicht nötig, die Brennnessel gezielt in den Garten einzusetzen, denn als sehr wiederstandfähige Pflanze sucht sie sich häufig selbst ihren Weg. Sie bevorzugt dabei feuchte Böden mit ausreichend Stickstoff, in den sie ihre tiefen Wurzeln gräbt. Sollten Sie kein Brennnesselvorkommen im eigenen Grün haben, können Sie im Frühjahr einfach die Samen, die Sie im Fachhandel finden, verstreuen. Geerntet werden können die ausgewaschenen Pflanzen bis zu viermal im Jahr, dabei kommen sie in jedem Jahr wieder.