Kastanie – Herbstbote mit Heilwirkung

Die Kastanie ist ein Symbol des Herbstes und besonders in dieser Zeit ein beliebtes Bastelutensil. Kinder und Erwachsene sammeln sie gleichermaßen und freuen sich über die Früchte, die – frisch aus der Schale – dunkel glänzen. Darüber hinaus steckt unter ihrem harten Mantel auch ein nützlicher Kern: Besonders bei Venenleiden wird ihr Wirkstoff in der Medizin eingesetzt. Die Rosskastanie wurde aus diesem Grund vom Würzburger Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" im Jahr 2008 bereits zur "Arzneipflanze des Jahres" gewählt.

Den Begriff "Kastanie" verwenden wir hierzulande vor allem für die so genannte Rosskastanie. Im Gegensatz zu den so genannten Edelkastanien gehört sie jedoch nicht etwa zu den Buchengewächsen, sondern zu den Seifenbaumartigen – und somit zu einer anderen Pflanzenfamilie.
Ihre Namensherkunft ist nicht eindeutig belegt. Da Kastanien aber gern als Tierfutter eingesetzt wurden, liegt die Vermutung nahe, dass die Bezeichnung auf ihre Verwendung als Futtermittel für die Pferde – also Rösser – zurückgeht. Für den Menschen ist sie nicht zum Verzehr geeignet.
Der Ursprung der Rosskastanie liegt in Südosteuropa sowie dem Kaukasusgebirge, vermutlich verbreitete sie sich aber durch die Osmanen vor rund 500 Jahren in ganz Europa. Der Kastanienbaum wird etwa 25 bis 30 Meter hoch, seine großen, charakteristischen Blätter sind fingerförmig und befinden sich an langen Stielen. Im Mai zeigen sich die weißen bis rosafarbenen Blüten, die rötliche oder gelbe Flecken aufweisen. Daraus entstehen schließlich die bekannten Früchte der Kastanie: grüne, stachelige Kapseln, welche die braunen Samen enthalten, die wir umgangssprachlich selbst als "Kastanie" bezeichnen. Ab September fallen diese von den Bäumen, wobei die Kapselfrüchte aufplatzen und ihr Innenleben für die eifrigen Kastaniensammler enthüllen. Der stattliche Baum, der mehrere hundert Jahre alt werden kann, ist jedoch zunehmend in Gefahr. Die Miniermotte hat sich die Rosskastanie als Leibspeise ausgesucht. So fressen ihre Raupen die Blätter und entziehen dem Baum lebenswichtige Nährstoffe, so dass er frühzeitig verwelkt und schließlich abstirbt.

Auch wenn die Kastanie schon seit einigen hundert Jahren in Europa heimisch ist, so wurde ihre medizinische Wirkung vergleichsweise spät erkannt. Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird sie als Heilpflanze genutzt.
Besonders hervorzuheben ist ihre positive Wirkung auf das Venensystem. Diese verdankt sie zwei Wirkstoffen: Zum einen dem in ihrer Baumrinde enthaltenen Aesculin sowie dem Stoff Aescin, der in den Kastaniensamen vorkommt. Mittel mit diesen Inhaltsstoffen werden bei müden und schweren Beinen, Spannungsgefühl, Krampfadern und Hämorrhoiden verwendet.

Allerdings eignet sich die Kastanie nur bedingt zur Selbstanwendung. Besser ist es, auf fertige Präparate zurückzugreifen. Da viele ausschließlich auf pflanzlicher Basis beruhen, können sie auch vorbeugend bei langem Sitzen, Fahrten oder Flugreisen eingenommen werden. Die in der Kastanie enthaltenen Saponine und Flavonoide, beides sekundäre Pflanzenstoffe, stärken die Gefäße und sorgen für eine bessere Durchblutung. So beugen die Inhaltsstoffe Venenerkrankungen, wie beispielsweise einer Thrombose, vor. Aescin dichtet außerdem die Gefäßwände ab, was Wasseransammlungen, genannt Ödeme, entgegenwirkt. Darüber hinaus wird der Rosskastanie eine leicht entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Die Anwendung erfolgt meist innerlich durch Kapseln oder Tabletten.

Bei Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht fördert ein Bad mit dem Zusatz der Rosskastanie die Durchblutung. Auch Salben oder Gele zum Einreiben sowie Umschläge können eine Wohltat sein.

Wenn Sie blutverdünnende Mittel einnehmen, sollten Sie Präparate mit Rosskastanie jedoch nur in Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt einnehmen. Sie können die Wirkung der Medikamente zusätzlich verstärken.

Begrüßen Sie den Herbst und gehen Sie selbst auf Entdeckungstour, um die heruntergefallenen Kastanien einzusammeln. Auch an eher grauen Tagen sorgen Sie so für gute Laune und Bewegung an der frischen Luft.
Gemeinsam mit Ihren Kindern können Sie aus den kleinen Schätzen die wohlbekannten Kastanienmännchen gestalten, aber auch ganz neue Bastelideen verwirklichen. Ihrer Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt: Kränze, lustige Tiere aus Kastanien oder auch Spiele, in denen die Herbstfrüchte als Spielsteine fungieren. Fingerübungen mit Kastanien schulen die Geschicklichkeit von Groß und Klein. Bei Rheumapatienten sollen sie sogar für mehr Beweglichkeit in den Händen sorgen.

Etwas ausgefallener ist hingegen das Waschen mit Kastanien. Waschen? Sie haben richtig gelesen, denn die bereits erwähnten Saponine, die in den Kastaniensamen zu finden sind, wirken in Verbindung mit Wasser ähnlich wie Seife. Dafür werden einige frische Kastanien aufgeschnitten und in Wasser eingeweicht. Nach mehreren Stunden können Sie das Gemisch durch ein Sieb gießen. Die übrige gebliebene Flüssigkeit lässt sich als natürliches Waschmittel verwenden.