Aktivkohle - kohlrabenschwarz und super gesund?

Das berühmte "kleine Schwarze" kommt bekanntlich nie aus der Mode. Nun gibt es aber einen neuen Trend, der mit dieser Farbe kokettiert und dieser ist deutlich ungewöhnlicher. Für Gesundheit und Schönheitspflege wird von Prominenten und Trendsettern derzeit die Anwendung von Aktivkohle als das Mittel Nummer eins beschworen. So strömen auch zahlreiche neue Produkte, die alle diese wunderliche Zutat enthalten, auf den Markt. Von Gesichtsmasken über Zahnpasta bis hin zu Getränken reichen die, fast immer schwarzen, Neuheiten im Regal. Doch halten diese, was sie versprechen?

Um mit dem neuen Trend mitzuhalten, müssen Sie sich keineswegs die Wangen rußen wie ein Schornsteinfeger. Kohle ist nämlich nicht gleich Kohle. Der Stoff, der für Schönheit und Wohlbefinden eingesetzt wird, besteht zum größten Teil aus hochporösem Kohlenstoff. Dieser kann in seine kleinsten Teile zerfallen und ist sehr offenporig, so dass er viele andere Stoffe aufnehmen kann. Diese Fähigkeit wird als Adsorption bezeichnet: Die Kohle bindet Gift- und Schadstoffe an sich und neutralisiert sie.

Gewonnen wird die Aktivkohle generell aus pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Stoffen. In der Medizin und Kosmetik kommen meist Rohstoffe wie Torf, Baumrinde, Fruchtkerne oder Nussschalen zum Einsatz. Bekannt ist die Aktivkohle auch als Bestandteil von Luft- und Schadstofffiltern.
Sie außerdem für die Gesundheit zu nutzen, ist jedoch keine Erfindung der Neuzeit. Bereits im alten Griechenland oder bei den Ägyptern wurde sie gegen Magen-Darm-Beschwerden oder bei Vergiftungen angewandt. Auf dieselbe Weise findet sie auch heute noch Verwendung.

Dass Aktivkohle auch "medizinische Kohle" genannt wird, macht ihren Nutzen für die Gesundheit bereits deutlich. Dieser beruht vor allem auf der bindenden Wirkung des schwarzen Stoffes. So hilft sie z.B. bei Magen-Darm-Erkrankungen, indem sie die auslösenden Bakterien oder Giftstoffe bindet und schließlich ausscheidet. Mithilfe dieser Eigenschaft kann Lebensmittelvergiftungen entgegengewirkt und Magenproblemen auf Auslandsreisen sogar vorgebeugt werden. Die Einnahme sollte stets mit viel Flüssigkeit erfolgen, damit der Kohlenstoff optimal zerfallen und seine Wirkung entfalten kann.
Auch bei Vergiftungen mit Chemikalien, Medikamenten oder Schwermetallen wirkt Aktivkohle als Gegenmittel, da sie die Toxizität – also die Giftigkeit dieser Stoffe – verringert. Eine Einnahme sollte in diesen Fällen jedoch nie ohne medizinische Absprache erfolgen. Des Weiteren wirkt sie nicht bei Vergiftungserscheinungen durch Alkohol, Pflanzenschutzmittel oder Blausäure. Auch viele Wundverbände haben Auflagen in denen Aktivkohle enthalten ist, um Keime, Schmutz und Gerüche aus der Wunde zu filtern.

Aktivkohle und Kohleprodukte erhalten Sie in Apotheken, Drogerien und zum Teil auch in Supermärkten.

Von der Hausapotheke erobert das schwarze Pulver nun auch zunehmend den Kosmetikschrank. Während Shampoo, Seife und Duschgel mit Aktivkohle Haut und Haar besonders effizient reinigen sollen, werden Zahnbeläge durch pechschwarze Zahnpasta angeblich entfernt und die Zähne strahlend weiß. Besonders bei letzterer Anwendung ist jedoch Vorsicht geboten: Durch das Reiben der Kohlepigmente kann der Zahnschmelz geschädigt werden. Peelings, Waschgels und Gesichtsmasken wiederrum wirken gegen unreine Haut, indem sie überschüssigen Talg und Hautunreinheiten entfernen. Auch hier soll die bindende Wirkung der Aktivkohle helfen. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich, um das richtige Pflegeprodukt zu finden: Nur wenn sich "charcoal" darunter findet, ist tatsächlich Aktivkohle enthalten. In manchen Kosmetikartikeln sorgen lediglich Farbstoffe für das schwarze Erscheinungsbild.

Ein Trend, der zunächst Überwindung kostet, sind Säfte und Limonaden mit Aktivkohle. Die schwarzen oder grauen Getränke gehören zum so genannten "Detox" und sollen den Körper beim Entgiften unterstützen. Diese Wirkung konnte bisher jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Außerdem sollten Sie beachten, dass die Kohle nicht nur schädliche Stoffe, sondern auch lebenswichtige Nährstoffe adsorbiert. Mehr als drei Gramm pro Tag dürfen es deshalb nicht sein.

Auch die Wirkung auf Medikamente oder orale Verhütungsmittel ist bisher nicht klar, so dass Sie nach der Einnahme dieser auf eine innere Anwendung mit Aktivkohle verzichten sollten. Für den Körper ist eine Einnahme der Kohle ansonsten aber ungefährlich, da sie keine Rückstände im Organismus hinterlässt.