Einsamkeit – Mehr als nur Alleinsein

In der Corona-Pandemie ist, neben der Erkrankungen und ihren Folgen selbst, Einsamkeit eines der größten sozialen Probleme. Social-Distancing und Homeoffice sind notwendig, um die Infektionszahlen zu senken – doch sie sorgen auch für Isolation. Besonders ältere Menschen und Alleinstehende sind davon betroffen. Erfahren Sie, was Sie selbst gegen dieses Gefühl machen können und wie Sie in dieser Ausnahmesituation helfen, wenn sich jemand einsam fühlt.

Allein bedeutet nicht immer einsam
Auch wenn beide Worte zum Teil synonym verwendet werden: Es gilt, zwischen Alleinsein und Einsamkeit zu unterscheiden. Nicht immer fühlt sich jemand, der gegenwärtig allein ist, auch einsam. Ruhe, Stille und die Konzentration auf sich selbst können auch Kraftquellen sein, solange sie Ihnen guttun und selbst gewählt sind. Erst, wenn Sie unter dem Alleinsein leiden, gern Kontakt suchen möchten aber keinen finden oder ungewollt vollkommen auf sich selbst gestellt sind, kann von Einsamkeit die Rede sein.

Betroffenen bereitet das Gefühl der Einsamkeit große psychische Schwierigkeiten. Sie fühlen sich verlassen, traurig, oftmals verzweifelt oder resignieren schließlich und werden antriebslos. So ziehen sich diese Menschen in sich selbst zurück, was die Problematik noch verstärkt. Dies kann zu Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out führen. Die Auswirkungen sozialer Isolation sind letztlich auch körperlich zu spüren und zu sehen: Die tägliche Körperpflege wird vernachlässigt, ungesunde oder unregelmäßige Mahlzeiten eingenommen und die Bewegung eingeschränkt. Gewichtsprobleme und Krankheiten, die durch Bewegungsmangel entstehen, sind die Folge. Ausgelöst durch den psychischen Stress können auch Magen-Darm-Probleme auftreten. Bei chronischer Einsamkeit besteht sogar die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diesem Teufelskreis zu entgehen war schon immer nicht einfach. In der aktuellen Situation scheint die soziale Isolation aber als unüberwindbares Hindernis. Betroffenen kann es helfen, ihre psychische Gesundheit und Widerstandkraft, Resilienz genannt, zu stärken. Sport, ausreichend Schlaf, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und die Beschäftigung mit Tätigkeiten, die Ihnen Freude bereiten und Antrieb geben, können dazu einen großen Teil beitragen.
Aktivieren Sie auch alte Kontakte und rufen Sie Bekannte und Freunde, die Sie lange nicht gesehen haben oder von denen Sie wissen, dass sie ebenfalls unfreiwillig allein sind, an. Vermutlich freuen sich diese genau wie Sie, an vergangene Zeiten anzuknüpfen. Kommen Sie auch mit Menschen aus Ihrem nahen Umfeld, zum Beispiel Nachbarn, ins Gespräch – natürlich unter Einhaltung des entsprechenden Mindestabstandes und der Kontaktbeschränkungen. Oft ergeben sich hier nette Unterhaltungen oder Sie entdecken gemeinsame Interessen.
Nutzen Sie außerdem die Zeit, um sich mit neuen digitalen Kommunikationsmitteln anzufreunden. Smartphone, Tablet und PC können mit Chat- sowie Videofunktionen eine Brücke zur Außenwelt abseits Ihrer eigenen Wohnung schlagen.   

Wenn Sie keine dieser Möglichkeiten haben oder akut unter Einsamkeit leiden, wenden Sie sich vertrauensvoll an die Telefonseelsorge. Dort finden Sie ein offenes Ohr und erhalten Ratschläge für Ihre aktuelle Situation.

Vielleicht sind Sie selbst nicht von Einsamkeit betroffen, aber kennen in Ihrem näheren Umfeld jemanden, dem es so geht? Achten Sie in dieser schwierigen Zeit auch auf Ihre Mitmenschen – besonders auf jene, von denen Sie wissen, dass Sie auf kein soziales Netz zurückgreifen können. Kontaktieren Sie alleinstehende Freunde sowie Verwandte öfter als sonst. Neben Telefon und Mail können vor allem Videochats helfen, ein Gemeinschaftsgefühl aufrecht zu erhalten.

Überlegen Sie auch, welche Nachbarn eventuell Ihre Hilfe benötigen. Ein Plausch aus der Distanz kann schon viel bewirken. Erkundigen Sie sich bei älteren Mitbürgern oder Bekannten, die zur Risikogruppe gehören, ob Sie diese beispielsweise mit der Erledigung von Einkäufen unterstützen können.