Microneedling – Wenn Schönheit unter die Haut geht

Zugegeben: Es klingt wenig einladend, sich das Gesicht mit einer kleinen Walze oder einem Stift behandeln zu lassen, der mit Nadeln gespickt ist. Doch genau so funktioniert ein neuer Schönheitstrend, auf den mittlerweile nicht nur Schauspieler und Models schwören: Microneedling ist in Hautarztpraxen und Kosmetikstudios gleichermaßen angekommen. Selbst Zuhause kann die Behandlung, mit den richtigen Vorbereitungen und dem nötigen Equipment, durchgeführt werden. Wir haben für Sie genauer hingeschaut und verraten Ihnen alles über die Anwendung.   

Unter Microneedling versteht man einen minimalinvasiven Eingriff, bei dem es durch feine Nadeleinstiche zu Verletzungen der Haut kommt. Das soll die Erneuerung der Hautzellen anregen und Falten sowie Narben oder Pickelmale lindern. Auch bei Haarausfall, Pigmentstörungen oder Cellulite kann Microneedling eingesetzt werden. Indem der Körper versucht, die entstandenen Schäden zu beheben, wird die Bildung der Stoffe Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure angeregt. Das wiederrum verspricht eine straffe Haut, in der sich statt Narbengewebe neue Zellen bilden. Im Anschluss an die Behandlung aufgetragene Cremes oder andere Pflegeprodukte können tief in die Hautschichten dringen und dort wirken. Auf Dauer sieht die Haut rosig und erfrischt aus, da die Behandlung auch die Durchblutung anregt.
Inwieweit das Microneedling Schmerzen bereitet, hängt vom persönlichen Empfinden und der Beschaffenheit der Haut ab. Abhilfe können betäubende Cremes schaffen, die vor allem in der medizinischen Anwendung zum Einsatz kommen. Vorrangig wird das Gesicht behandelt, doch auch Problemhaut auf Kopf, Dekolleté, Hals oder Oberschenkel kann "genadelt" werden.

Wo Sie das Microneedling durchführen lassen, hängt vor allem von dem Behandlungsziel ab. Angeboten wird es mittlerweile in vielen Kosmetikstudios und Hautarztpraxen. Diese Profis sollten Sie unbedingt aufsuchen, wenn Narben, Dehnungsstreifen oder tiefere Fältchen reduziert werden. Dafür müssen die Nadeln etwa ein bis drei Millimeter tief in die Haut eindringen, was eine spezielle Ausbildung dringend notwendig macht!

Möchten Sie jedoch nur ein kosmetisches Microneedling durchführen, können Sie das mit den richtigen Hilfsmitteln durchaus auch in der Heimanwendung machen. Die Nadeln reizen hier mit 0,1 bis 0,3 Millimetern nur die oberste Hautschicht. Alle Utensilien, die Sie dafür benötigen, erhalten Sie online. Informieren Sie sich vorher intensiv über die Benutzung sowie die verschiedenen Vor- und Nachteile der Anwendungsmöglichkeiten mit dem Derma-Roller, dem Derma-Stamp sowie dem Derma-Pen.
Egal wofür Sie sich entscheiden, die grundlegenden Parameter bleiben dieselben: Eine Behandlung dauert etwa 30 bis 45 Minuten und zwischen den einzelnen Anwendungen sollten mindestens 10 bis 14 Tage liegen, damit sich die Haut erholen kann. Ergebnisse von heute auf morgen dürfen Sie nach dem ersten Microneedling jedoch nicht erwarten. Die Regeneration der Haut ist ein langfristiger Prozess, der nach Ende der Behandlung noch nachwirkt. 

Bevor Sie sich "nadeln" lassen, empfiehlt sich eine professionelle Hautanalyse. Nicht für jeden ist diese Behandlungsform geeignet: Wenn Sie unter sehr trockener Haut, Wundheilungsstörungen (z.B. bedingt durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus), aktiver Akne sowie akuten Wunden, Ekzemen oder Schuppenflechte leiden, müssen Sie davon leider Abstand nehmen. Auch bei einer vorangegangenen Chemo- oder Strahlentherapie, Neurodermitis, Rosazea oder Couperose darf kein Microneedling durchgeführt werden. Verzichten müssen Sie außerdem in der Schwangerschaft sowie während der Einnahme von Blutgerinnungshemmern oder blutverdünnenden Medikamenten.  

Wie immer im Umgang mit Nadeln ist auf strengste Hygienemaßnahmen zu achten: Tragen Sie unbedingt Handschuhe und nutzen Sie Desinfektionsmittel sowie Einmalartikel. Achten Sie auch bei der Anwendung in einem Kosmetikstudio auf die Einhaltung dieser Vorgaben. Verzichten Sie im Anschluss auf Peelings, um die gereizte Haut nicht zu sehr zu strapazieren und schützen Sie die behandelte Hautpartie besonders gut vor der Sonne. 

Narben, besonders im Gesichtsbereich, können mitunter einen großen Leidensdruck für den Betroffenen mitbringen. Häufig werden in diesem Fall Laserverfahren angewandt, welche die Haut aber abtragen und somit dünner und anfälliger machen. Eine Behandlung mit Microneedling erhält die herkömmliche Dicke und Schutzfunktion. Indem ausschließlich auf die Selbstheilungskräfte der Hautzellen gesetzt wird, ist im Gegensatz zu anderen kosmetischen Eingriffen keine Injektion notwendig. 

Bei unsachgemäßer Behandlung oder mangelnder Hygiene können jedoch Entzündungen oder Überreaktionen der Haut auftreten. Auch der nicht zu unterschätzende Kostenfaktor ist ein Nachteil des Microneedlings: Eine Behandlung beim Arzt kostet ungefähr zwischen 200 bis 1000 Euro, das Zubehör für die Eigenanwendung Zuhause kann sich auf ca. 100 bis 200 Euro belaufen.