Narben – Sichtbare Spuren unseres Lebens

Die Lebensgeschichte eines Menschen ist ihm oftmals auf die Haut geschrieben. Kleine und große Narben erzählen von Stürzen, Geburten, Operationen oder Unfällen. Sie sind ein fast unumgänglicher Teil des Lebens und gehören meist selbstverständlich zu unserem Körper. Wie aber kommt es zu diesen sichtbar verheilten Wunden und wie pflegen Sie diese optimal, damit sie sich später unauffällig in das Gesamtbild einfügen? Hier erfahren Sie Wissenswertes über Narben, deren Entstehungsweise und Besonderheiten.

Nicht bei jedem Sturz oder jeder Wunde entsteht eine Narbe. Ist nur die erste Hautschicht betroffen, kann Ihr Körper die fehlenden und beschädigten Zellen durch die so genannte regenerative Wundheilung vollständig ersetzen. Im Ergebnis sehen Sie schließlich keine bleibende Veränderung.
Anders verhält es sich bei Verletzungen, die bis in die zweite Hautschicht – auch Lederhaut oder Dermis genannt – dringen. Geschieht dies, reagiert der Körper mit einer Art Notfallreparatur, denn während die Haut offen und schutzlos ist, können an dieser Stelle Krankheitserreger sowie schädliche Stoffe ungehindert hineingelangen. Das verletzte Gewebe soll möglichst schnell ersetzt und die Wunde geschlossen werden, um dies zu verhindern. Dafür bildet sich das Narbengewebe, das zu einem großen Teil aus dem Eiweiß Kollagen besteht. Jedoch handelt es sich dabei nur um ein minderwertiges Ersatzgewebe. Es grenzt sich optisch von der übrigen Haut ab und erreicht außerdem nicht deren Elastizität. Grund dafür ist, dass die Fasern des Kollagens parallel und nicht, wie im gesunden Gewebe, überkreuzt liegen. Auch Schweiß- und Talgdrüsen sowie Sinneszellen, die in der Dermis vorhanden sind, werden in der vernarbten Hautstelle nicht neu gebildet.

Narben entstehen in Folge von Schnittwunden, Operationen, Verbrennungen, tiefen Wunden nach Stürzen oder Unfällen sowie Erkrankungen der Haut. Damit aus einer Wunde aber eine Narbe wird, müssen verschiedene Prozesse mitwirken.
Zunächst werden Krankheitserreger, Keime und abgestorbenes Gewebe vom Immunsystem aus der Wunde beseitigt. Nun beginnt ein erstes neues Gewebe damit, sich von den Wundrändern ausgehend über der Verletzung zu bilden. Die Blutgefäße werden erneuert und durchziehen das Gewebe genau wie das Kollagen, das zur Auffüllung dient. Schließlich wird die Narbe mit Zellen überzogen, die wiederrum den Bindestoff Keratin bilden – diese Hornsubstanz ist auch in unserem Haar und den Nägeln vorhanden und schützt das neue Gewebe. Damit ist der Vernarbungsprozess abgeschlossen. Bis die Narbe aber ihr endgültiges Aussehen erreicht hat, kann es bis zu zwei Jahre dauern.

Das Aussehen von Narben könnte unterschiedlicher kaum sein. Durch das Erscheinungsbild lässt sich häufig erkennen, auf welche Art diese zustande gekommen sind. Grundsätzlich werden vier verschiedene Narbentypen unterschieden:

Hypertrophe Narben sind erhaben gegenüber der gesunden Haut. Auch ihre rötliche Farbe lässt sie klar von der Umgebung abgrenzen. Dieser Narbentyp spannt und juckt häufig. Starke Zugkräfte, die auf die Wunde wirken, sowie Infektionen oder die Neigung zu einer übermäßigen Bildung von Bindegewebe können zu einem solchen Erscheinungsbild führen.

Atrophene Narben hingegen fehlt es an Substanz, so dass sie eingesunken sind und ein wenig wie Grübchen erscheinen. Dieser Art entsteht häufig nach starker Akne oder anderen Hauterkrankungen.

Sklerotische Narben kennzeichnet, dass sie sich zusammenziehen und die Haut an dieser Stelle regelrecht schrumpft. Dadurch zeigen sie sich hart und kaum elastisch. Sie haben ihre Ursache zum Beispiel in Verbrennungen.

Keloide Narben wiederrum wachsen über die eigentlich Verletzung hinaus. Das überschüssig gebildete Bindegewebe ist oft rot und reagiert empfindlich auf Berührungen, außerdem kann die Narbe zu Juckreiz neigen.

Aber auch andere Faktoren haben maßgeblichen Einfluss auf das spätere Aussehen einer Narbe. So gilt, dass diese umso auffälliger wird, je langsamer eine Wunde heilt. Frische Narben zeichnen sich meist deutlich ab, denn sie sind fast immer erhaben und gut durchblutet, wodurch sie rot erscheinen. Im Laufe der Zeit ebnen sie sich aber in den meisten Fällen und verblassen. Bestimmte Körperstellen sind jedoch für stark sichtbare Narben geradezu prädestiniert, da hier die Wundheilung aufgrund von stärkerer Hautspannung schlechter vonstattengeht. Dazu zählen z.B. der Brustkorb oder auch die Schulterpartie.

In den meisten Fällen lässt sich mit Narben gut leben. Es kann jedoch nicht geleugnet werden, dass sie in vielerlei Eigenschaften nicht gänzlich an das ursprüngliche, gesunde Gewebe heranreichen. So bildet die Haut normalerweise Pigmente, um zu ihrer herkömmlichen Farbe zu gelangen. Narben können dies nicht. So sind sie auch viele Jahre später oft heller und fallen optisch auf.
Doch nicht nur von seinem Aussehen her unterscheidet sich das Narbengewebe vom gesunden. Da die nötigen Drüsen hier nicht vorhanden sind, wachsen auf Narben weder Haare, noch kann die Haut an dieser Stelle schwitzen. Auch kann die Empfindung beeinträchtigt sein und Taubheitsgefühle auf der Narbe entstehen. Dies hängt mit der Reizwahrnehmung sowie den Sinneszellen zusammen, die sich in der zweiten Hautschicht befinden und nach der Verletzung geschädigt sind.
Befindet sich die Narbe an Gelenken, kann sie außerdem die Bewegungen einschränken. Nicht zuletzt handelt es sich dabei auch um ein ästhetisches Problem, unter dem die Betroffenen in einigen Fällen stark leiden.

Ist erst einmal eine Narbe entstanden, kann diese leider nicht wieder komplett unsichtbar werden. Die gute Nachricht ist aber: Mit der richtigen Hygiene und Pflege werden die Spuren einstiger Verletzungen geschmeidiger und unauffälliger. Dabei kann bereits ab der Wundversorgung einiges dafür getan werden, so dass die später entstehende Narbe möglichst klein bleibt. So sollte die Desinfektion der verletzten Hautpartie sowie eine sterile Wundabdeckung eine Selbstverständlichkeit sein. Beides dient dazu, mögliche Infektionen zu vermeiden. Diese wirken sich sonst negativ auf die Heilung aus. Folgende Dinge sollten Sie weiterhin im Umgang mit einer frischen Narbe beachten:

  • Meiden Sie Sonneneinstrahlung sowie Hitze, decken Sie die Wunde dafür ab.
  • Auch starke Kälte gilt es zu vermeiden, da sich die Temperaturschwankungen ungünstig auf die Narbenbildung auswirken.
  • Tragen Sie keine Kleidung, die auf der Narbe reibt. Dasselbe gilt auch für Schmuck.
  • Belasten Sie die Narbe nicht zu stark. Sport sollten Sie in der ersten Zeit nur in Absprache mit Ihrem Arzt betreiben.
  • Unterlassen Sie auch bei Juckreiz das Kratzen, um die frisch gebildete Haut nicht zu verletzen.

In der Behandlung, der so genannten Narbentherapie, geht es vor allem darum, Beschwerden zu mildern. So sollen mit der Narbe verbundener Juckreiz, Rötungen oder Schmerzen gelindert, eingefallenes Narbengewebe aufgepolstert und die Oberfläche weicher und elastischer gemacht werden. Auffällige Narben werden im Verblassen unterstützt und Erhabene werden eben gemacht. Dabei werden, je nach Art und Beschaffenheit der betreffenden Narbe, unterschiedliche Therapien genutzt. Denkbar sind z.B. Druckmassagen oder die Anwendungen von Narbengelen- und Salben zur Pflege, Wiederherstellung der Geschmeidigkeit und Elastizität. Eigens dafür ausgelegte Silikonfolien, die auf der Narbe angebracht werden und dort eine Schutzschicht bilden, wirken Wucherungen entgegen und ebnen die Narbe ein. All diese Behandlungen sollten bis zu einem halben Jahr lang erfolgen, um ihre optimale Wirkung zu entfalten. Eine für Sie geeignete Therapie sollte in Absprache mit Ihrem Arzt geschehen.