Erinnerungsspeicher im Kopf – Wie das Gedächtnis funktioniert

Ihr Gedächtnis vollbringt täglich Höchstleistungen: Es nimmt unzählige Informationen auf, speichert und ruft sie bei Bedarf wieder ab. Dabei geht jedoch das eine oder andere verloren. Neben dem Behalten ist aber auch das Vergessen ein wichtiger Prozess.

Viele Menschen sammeln liebgewonnene Erinnerungsstücke, die sie mit besonderen Momenten oder Personen verbinden. In Alben oder einem Schuhkarton werden Fotos oder andere Andenken aufbewahrt ­ doch die größte Sammlung davon tragen Sie täglich mit sich. Ihr Gedächtnis merkt sich nicht nur viele Informationen, es trennt sie auch nach ihrer Bedeutung. Dinge, die unwichtig erscheinen, werden aus der Flut von Wahrnehmungen herausgefiltert und bleiben nicht in Erinnerung. Sicherlich haben auch Sie sich schon mal ein besseres Gedächtnis gewünscht. Sich nicht alles merken zu können, hat aber seinen Sinn: Ihr Gehirn wäre schlicht überlastet, wenn es alle Eindrücke, Erlebnisse und Details abspeichern müsste. Doch wie funktioniert das Gedächtnis eigentlich? 

Verschiedene Speicherorte

Mit dem Begriff „Gedächtnis“ wird in der Regel der Ort bezeichnet, an dem Erinnerungen aufbewahrt werden. Dabei handelt es sich nicht um eine zentrale Stelle in Ihrem Gehirn, sondern um verschiedene Areale, die die aufgenommenen Fakten oder Wahrnehmungen unterschiedlich lange behalten. Zum einen unterscheidet man das Ultrakurzzeitgedächtnis, in dem Informationen nur etwa vier bis zehn Sekunden gespeichert werden. Das Kurzzeitgedächtnis schafft es hingegen bereits auf 20 Minuten. Sind bestimmte Sachverhalte oder Erinnerungen erst einmal ins Langzeitgedächtnis übergegangen, bleiben sie dort meist ein Leben lang. Dies hängt jedoch davon ab, ob das Erinnerungsvermögen aktiv erhalten bleibt.

Dass die Gedächtnisleistung im Alter nachlässt, ist ein normaler Prozess – krankheitsbedingte Gründe wie Alzheimer-Demenz ausgenommen. Mit einer gesunden Lebensweise, ausreichend Sport sowie für das Gehirn anregende Tätigkeiten, können Sie dem aber positiv entgegenwirken.

Merken, lernen, vergessen

Damit wir uns etwas merken können, muss zunächst ein Reiz auf eine Sinneszelle treffen. Dieser wird in Form eines elektrischen Impulses an eine Nervenzelle im Gehirn weitergeleitet. Untereinander sind die verschiedenen Nervenzellen über Verbindungen, die Synapsen, verknüpft. Trifft eine neue Information ein, werden diese Verbindungsstücke aktiviert. Um im Gedächtnis zu bleiben, muss die Information in einer bestimmten Synapsenkombination verfestigt werden. Je mehr davon an diesem Prozess beteiligt sind, desto besser kann die Erinnerung gespeichert und später wieder hervorgeholt werden. Bei der Wiederholung einer bestimmten Tätigkeit, werden dieselben Verbindungen immer wieder aktiviert. Das macht sie stärker und hat zur Folge, dass wir etwas dauerhaft erlernen und im Gedächtnis behalten.

Es gibt aber auch das entgegengesetzte Phänomen: Informationen, die nicht so häufig in Gebrauch sind, werden durch stärker verknüpfte Erinnerung verdrängt. Sie gehen zwar nicht ganz verloren, aber der Zugang zu ihnen wird erschwert oder bleibt verschlossen. Dieser Vorgang wird allgemein als "Vergessen" bezeichnet. 

Wofür sind Erinnerungen da?

Nicht alles, was Sie täglich wahrnehmen, bleibt Ihnen auch im Gedächtnis. Manches geht einfach an Ihnen vorüber. Dies hängt mit der ursprünglichen Funktion der Erinnerung zusammen: Ihr Gehirn speichert vor allem das, was Ihnen in der Zukunft möglicherweise von Nutzen sein könnte. Alles, was nicht als potenziell verwendbar angesehen wird, filtert es heraus.

Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Erinnerungen. Bestimmte Verhaltensweisen oder Gewohnheiten führen Sie z.B. beinahe automatisch aus, ohne dass Sie darüber nachdenken müssen. Durch die häufige Wiederholung haben sich die Abläufe so stark verfestigt, dass eine bewusste Wahrnehmung währenddessen nicht nötig ist. Wollen Sie hingegen erlerntes Faktenwissen wieder abrufen, müssen Sie sich aktiv erinnern.

Sind die Erinnerungen mit starken Emotionen verbunden, egal ob positiver oder negativer Art, fällt es leichter, sich diese ins Gedächtnis zu rufen. Dies funktioniert grundsätzlich immer wieder, jedoch nie komplett identisch. Mit jedem Abruf verändert sich Ihre Erinnerung und zwar abhängig von Ihrer gegenwärtigen Situation, Einstellung oder Ihrem Wissensstand.

Wenn das Gedächtnis versagt

Auch wenn Sie sich wegen gelegentlicher Vergesslichkeit ärgern, ist diese ein Schutzmechanismus Ihres Körpers, der Sie vor Reizüberflutung schützt. Wäre Ihr Gehirn voll mit unwichtigen Wahrnehmungen, würden Sie die wirklich bedeutsamen Informationen nicht mehr behalten können. Durch die ständig auf Sie einströmenden Erinnerungen könnten Sie sich zudem kaum auf etwas anderes konzentrieren.

Anders als das normale Vergessen ist eine Amnesie – also der Verlust eines großen Teils des Erinnerungsvermögens. Diese wird durch eine Krankheit, einen Unfall oder ein traumatisches Erlebnis ausgelöst. Häufig ist davon das episodische Gedächtnis betroffen, das zum Langzeitgedächtnis gehört. Den Betroffenen fehlen ganze Passagen ihres Lebens. Wenn weder alte Erinnerungen abgerufen, noch neue gespeichert werden können, spricht man von einer globalen Amnesie.

Eine Art des Gedächtnisverlustes haben hingegen allen Menschen gemeinsam: Der Umstand, dass niemand Erinnerungen an seine früheste Kindheit hat, wird als infantile Amnesie bezeichnet. Die ersten bewussten Erinnerungen entwickeln sich zumeist in einem Alter von ungefähr zwei Jahren.